Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Ein alter Brauch am Dreikönigstag

Die drei Bethen in Klerant, Südtirol um 1470
(Foto: Erni Kutter)

An den Eingangstüren wird mit Kreide das neue Jahr angeschrieben, dazwischen drei Buchstaben: 20 + C + M + B + 11.
Was bedeuten sie? Die lateinische Version lautet: Christus Mansionem Benedicat – Christus segne (dieses) Haus. Zwei andere Versionen beziehen sich auf Heilige: Caspar, Melchior und Balthasar. So nannten die Kölner die drei Könige, die nach dem biblischen Bericht zur Verehrung des neu geborenen Königs von Osten (Babylon?) nach Palästina kamen, und deren Reliquien die Kölner verehrten; es sind Phantasienamen; denn in der Bibel bleiben die drei Weisen anonym. 
Eine weibliche Variante des C-M-B ist vielleicht noch älter: Catharina von Alexandrien, Margareta und Barbara. Sie sind die „drei heiligen Madeln“, die drei Frauen in der Reihe der vierzehn Nothelfer. Wie manche ihrer männlichen Kollegen, sind sie Nachfolgerinnen von vorchristlichen, d.h. keltischen Gottheiten. Die drei „Bethen“ Ambeth, Wilbeth und Borbeth waren zum Beginn jedes Jahres die Garantinnen für den Kreislauf des Leben: Sie sicherten das Geborenwerden aus der Erde, das Reifen unter der Sonne und das behütete Sterben. Ambeth wird wie Margareta mit dem Erdwurm dargestellt, Wilbeth (darin steckt das englische wheel, ist gleich Rad) wie Katharina mit einem Rad, ursprünglich das Sonnenrad, und Borbeth wie Barbara mit Attributen für das Sterben. 

Prof. Dr. Rüdiger Funiok SJ


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