Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Katharina von Siena

1347 - 1380, Gedenktag 29.4.

"Gebt euch nicht mit Kleinem zufrieden - Gott erwartet Großes"

Katharina wurde am 25. März 1347 als 24. Kind der Färberfamilie Benincasa in Siena geboren. Es war eine Zeit der Bürgerkriege und Machtkämpfen verschiedener bedeutender Familien; der Adel unterdrückte das Volk, der Papst residierte in Avignon unter der Abhängigkeit der französischen Herrscher. Schon als Kind hatte Katharina Gottesvisionen und lebte asketisch. Eine geplante Verheiratung mit 12 verweigerte sie. Gegen den Willen ihrer Eltern trat sie mit 18 Jahren in den Dritten Orden der Dominikanerinnen in Siena ein.

In einer ihrer Visionen bestärkte sie Gott gerade auch als Frau ihren Weg zu gehen: "Ich gieße die Gnade meines Geistes ein, wo ich will. Vor mir gibt es weder Mann noch Frau, vor mir sind alle gleich."

Verwurzelt in Gebet und mystischer Versenkung engagierte sie sich leidenschaftlich in den politischen, kirchlichen, theologischen und sozialen Brennpunkten ihrer Zeit. Sie half den Armen in der Stadt, pflegte Pestkranke und besuchte Gefangene. Gleichzeitig vermittelte sie zwischen verfeindeten Familien und stiftete Frieden. Sie hatte auch die Gabe, in die Tiefe des menschlichen Herzens zu blicken, zu trösten und Menschen in der Bekehrung zu Gottes Liebe zu begleiten.

Ebenso mischte sie sich in die theologischen und kirchlichen Angelegenheiten ihrer Zeit ein. Sie predigte und theologisierte öffentlich, kritisierte den Verfall des Klerus und zog Papst Gregor XI zur Rechenschaft. Von den zahlreichen Briefen, die sie an Päpste, kirchliche und politische Persönlichkeiten schrieb sind 381 erhalten. Als Zusammenfassung ihrer Glaubenserfahrungen und -lehren entstand ihr Hauptwerk "Der Dialog", ein Gespräch zwischen Gott und der menschlichen Seele. Katharina hatte eine faszinierende Ausstrahlung und viele Menschen, Frauen und Männer, Fürsten und Mönche kamen und suchten ihren Rat. Ihr größter Erfolg war die Rückkehr des Papstes nach Rom.

Am 29. April 1380 starb sie völlig entkräftet in Rom. 1461 wird sie heilig gesprochen, 1970 von Papst Paul VI zur Kirchenlehrerin erhoben und Papst Johannes Paul II. ernannte sie zur Patronin Europas.

Vieles von ihrem Leben ist uns heutigen Frauen unbegreiflich und unverständlich. Was wir von ihr lernen können ist ihr Mut, die Stimme Gottes im Innern ernster zu nehmen als äußere Widerstände und Begrenzungen. In der schwierigen Zeit in der sie lebte hatte sie ihr ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt, dies gab ihr unglaubliche Kraft und den Mut unbeirrbar daran festzuhalten, dass jede Christin und jeder Christ nicht für sich selbst lebt, sondern Verantwortung für die Kirche und die Menschheit trägt. In beeindruckender Weise verband sie Mystik und Politik.

Katharina von Siena als Vorbild für Frauen heute:

  • Der Katholische Deutsche Frauenbund und andere haben den Gedenktag der Katharina von Siena als "Tag der Diakonin" ausgerufen. Der Diakonat ist in den frühen christlichen Gemeinden ein wichtiges Amt gewesen, auch Frauen als Diakoninnen, z. B. Phöbe sind neutestamentlich verbürgt. Der Diakonat ein Weiheamt, allerdings ist die Ordination von Frauen In der katholischen Kirche nicht möglich. Der KDFB und viele andere setzen sich dafür ein, dass Frauen zumindest zum Diakonat zugelassen werden. Wegen der Verbindung von Mystik, sozial-caritativem Engagement und klaren Worten in kirchlichen und politischen Fragen in ihrem Leben erscheint Katharina von Siena eine geeignete "Patronin" künftiger Diakoninnen. Jetzt kann sie Frauen Mut geben beharrlich ihren Weg in der Kirche zu gehen und auch gegen Widerstände Forderungen stellen.
  • Katharina von Siena ist auch die Patronin des Verbandes der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre. Gemäß ihrem Vorbild wollen die Mitglieder "in nicht einfacher Zeit, in großem Vertrauen auf Gott und mit Mut und Selbstbewusstsein die Kraft für eine konkrete Aufgabe in der Kirche einsetzen!"
  • Katharina von Siena ist auch Vorbild für Gemeinschaften, die "die Not der Zeit" erkennen und in der Kombination von Mystik und Politik an der Neugestaltung der Welt mitarbeiten wollen, z. B. das St.-Katharina-Werk in der Schweiz, ein katholisches Säkularinstitut mit ökumenischer Ausrichtung. (http://stkw.ch/)

 

Näheres zu ihrer Biographie: http://www.heiligenlexikon.de/

Wer noch mehr Hintergrund möchte: eine Magisterarbeit:
http://www.geschichte.uni-muenchen.de/wug/profwug/katharina_v_siena.shtml