Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Stark, mutig, kreativ und bunt

Die Frauenseelsorge in der Erzdiözese München und Freising feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Wiltrud Huml und ihre Mitarbeiterinnen sind vor Beginn der Feier ein wenig nervös, obwohl alles bestens organisiert ist. Draußen regnet es, so dass man den herrlichen Schlosspark leider nicht nutzen kann. Also muss man im Inneren bleiben. Insgesamt kommen rund 140 Frauen und Männer, um mit dem Fachbereich Frauenseelsorge dessen 50-jähriges Bestehen zu feiern. Viele langjährige Weggefährtinnen und -gefährten sind darunter, auch Seminarteilnehmerinnen, sowie Referentinnen und Kolleginnen. „Wie schön, dass du auch da bist“, diesen Satz hört man oft.
Im Foyer von Schloss Fürstenried begrüßen Frauen einander herzlich, auch mitgekommene Partner werden freundlich aufgenommen. Keine und keiner bleibt alleine stehen, bis der offizielle Festakt beginnt. Solche klimatischen Feinheiten lassen spürbar werden, dass hier wirklich ein ganz besonderer Fachbereich feiert. Aus den verschiedensten Gruppen – ob Chor, Wochenendseminar oder spirituelle Wandergruppe – ist das immer wieder zu hören: Bei der Frauenseelsorge gehen Referentinnen und Teilnehmerinnen respektvoll und offen mit allen um. Jede darf so sein, wie sie ist und wird genau dadurch zur Bereicherung für die anderen.

Gold für die Seelsorge

Der Leiter des Resssorts Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat, Domkapitular Thomas Schlichting, übergibt zu Beginn des offiziellen Festakts die CD „Gold“ von den „King’s Singers“ als Zeichen dafür, „dass die Frauenseelsorge im Kontext unserer seelsorglichen Bemühungen einfach Gold wert ist.“ Prof. Dr. Hildegund Keul, scheidende Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Frauenseelsorge, sagt in ihrem Grußwort, dass sie ihren Münchner Kolleginnen „Starkmut“ wünsche. Dieses Wort habe sie beim Pilgern kennengelernt. Die Münchner Frauenseelsorgerinnen habe sie genau so erfahren: stark, mutig, kreativ, froh und bunt.

Schließlich hält Dr. Hildegard Gosebrink den Festvortrag. Dabei schlägt sie einen großen Bogen vom prägenden Jahr 1968 über die Mystik Johannes Taulers bis zu immer noch aktuellen Positionen Karl Rahners in Bezug auf die legitime Vielfalt von Frauenbildern. Auch dessen Aussagen zur Mystagogie (etwa: „Kunst der Seelenführung“) greift sie auf: Gott sei immer schon im Menschen da, und zwar in allen. Insofern müsse man gar nicht so viel Verkündigungsarbeit leisten, sondern vielmehr „Hebamme sein“, damit die Menschen Gott in ihren Seelen erkennen könnten. Dies leiste die Frauenseelsorge auf vielfältige Weise. Sie stellt trotzdem fest, dass „die Kirchen einen Relevanzverlust“ erlitten, „der nicht mehr zu stoppen ist.“ Hier empfiehlt sie ganz im Sinne von Johannes Tauler ein „Loslassen und Leerwerden“ sowie mehr „Vertrauen auf den Geist, der noch andere Möglichkeiten hat.“

Gefragte Kreativität

Beim anschließenden Empfang gibt es nicht nur Sekt und Saft, sondern auch die Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen. Unter Anleitung von Gabriele Schlüter gestalten viele Anwesende aus Gold und Wachs ein Stück der großen Kerze, die anschließend im Gottesdienst brennen wird. Aber auch viele Papierblätter in Wolkenform werden mit Gedanken zur Frauenseelsorge beschriftet und an einem Gitternetz im Foyer aufgehängt. Hier stehen Sätze wie „Bei Frauenseelsorge denke ich an Sätze wie ‚Im Fluss bleiben‘“ oder „Support, Unterstützung, Spiritualität“. Während die eine oder der andere noch etwas aufhängt, liest schon die nächste Person und lässt sich inspirieren.

Natürlich wird beim Jubiläum der Frauenseelsorge auch Gottesdienst gefeiert. Die Andacht zur Heiligen Maria Magdalena am Vorabend ihres Namenstags ist anders als manche Liturgie, die „man(n)“ kennt: Alle Vortragenden und Deuterinnen sind Frauen. Der Ablauf bietet Platz für kleine Rituale, die im Gedächtnis bleiben: Etwa, wenn jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein Exemplar der Rosette der Frauenseelsorge erhält. Die Unikate wurden von geflüchteten Frauen hergestellt und sind ausgesprochen schön. Oder die sieben roten Luftballons, auf die mit dickem Filzstift Begriffe wie „Heilen“, „Wertschätzen“ und „Gestalten“ geschrieben wurden. Sie schweben im Verlauf der Andacht über der symbolischen Schatzkiste der Frauenseelsorge und versinnbildlichen das, was die Gemeinschaft hier ausmacht. Berührend ist das gegenseitige Stärken des Rückens des Nachbarn beziehungsweise der Nachbarin. So wird ganz konkret der Segen spürbar, der auf denen ruht, die ihre Energie mit anderen teilen.

Eine eigene Hymne

Das Festessen im Speisesaal – entweder Fisch oder Gemüselasagne, dazu jeweils Salat und anschließend Nachtisch – schmeckt lecker und führt Tischgemeinschaften zusammen. Nach einer guten Stunde lockt das Abendprogramm. Hierzu haben sich Frauen um Anja Sedlmeier, die Theaterpädagogin Marina Lahann und Chorleiterin Sabine Gockel gesammelt, die an einem einzigen Probenwochenende die Geschichte der Maria Magdalena ins Heute geholt haben. Die selbst komponierten Musikstücke und Lieder, Tänze und Schauspieleinlagen gehen unter die Haut. Und auch hier ist es wie fast immer in der Frauenseelsorge: Frau bleibt nicht bei der Trauer um den zwar auferstandenen aber weggegangen Herrn Jesus stehen, sondern im Fokus steht die Gewissheit: Ich weiß, er ist da und er wird wiederkommen.

Am Schluss kommt eine „Frauenseelsorgehymne“ zur Melodie von Reinhard Meys „Über den Wolken…“ zur Aufführung. Das anfangs ruhige Lied schwillt rhythmisch an und macht klar: All diese Frauen sind noch nicht müde und satt, sondern sie wollen weiter das tun, was sie am besten können, nämlich stark, mutig, kreativ, froh und bunt sein. Das ergibt viele gute Chancen für die nächsten 50 Jahre.

Gabriele Riffert