Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

NEU: "Seelenfutter" für einsame Stunden - Besinnliches und Interessantes zu folgenden Themen:

BUCHTIPPS

Das Fenster nach Süden. Spiritualität des Alltäglichen

Maike de Haardt

„Das Fenster nach Süden“ ist keine Unterhaltungsliteratur, auch keine Kampfschrift, obwohl von einer feministischen Professorin verfasst. Es ist ein kleines, aber feines philosophisch-theologisches Werk, das aufmerksam macht für die Gegenwart des Göttlichen im Alltag. Die Autorin Maaike de Haardt hatte von 1999 bis 2018 den von Catharina Halkes geprägten Lehrstuhl für Religion und Gender in Nimwegen übernommen. Parallel dazu war sie drei Jahrzehnte lang Dozentin an der theologischen Fakultät der Universität Tilburg. Nun – im Ruhestand – schrieb sie auf rund 150 Seiten leise, unaufgeregt und ohne den Anspruch, alles wissenschaftlich mit Fußnoten belegen zu müssen, ihre Gedanken über die Spiritualität des Alltäglichen nieder. Mit der Weisheit des Herzens, die Frauen mit viel Lebenserfahrung für eine Gesellschaft so wertvoll machen, verweist sie auf die Spuren des Göttlichen in unserem Lebenshaus. De Haardt nimmt uns mit durch die Räume: durch Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Studierzimmer und Schlafzimmer. Auch der Weg durch den Garten fehlt nicht. Das letzte Kapitel, Wohnen in der Stadt, bezieht sich auf ihre jüngste Forschungsarbeit.

Dabei ignoriert sie nicht das feministische Misstrauen gegenüber den Begriffen Haus und Heimat, schließlich wurde unserem Geschlecht durch die Verknüpfung von Frau, Haus und Heim Jahrtausende lang der Weg in die Welt versperrt. Doch sie wählt freundliche, versöhnliche Worte: Das Haus, durch das sie geleitet, ist ein zur Welt hin offenes. Offen auch für das göttliche Geheimnis, das aufblitzt im Alltäglichen. Wenn sie im Esszimmer ihr „Tässchen Trost“ serviert, erinnert das ein bisschen an den Befreiungstheologen Leonardo Boff, der in den 70-ern des vergangenen Jahrhunderts in seiner „Kleinen Sakramentenlehre“ nicht weniger charmant das „Sakrament des Wasserbechers“ kredenzte.

Das Buch ist nicht geeignet als Gute-Nacht-Lektüre, dafür ist es zu anspruchsvoll. Doch bei einer Tasse Tee oder Kaffee in ruhigen Stunden mit einem wachen Geist genossen, rührt es das Herz an.

Maike de Haardt: Das Fenster nach Süden. Spiritualität des Alltags, Verlag Herder, Freiburg/Basel/Wien 2020, Gebunden: EUR 20,00, E-Book: EUR 15,99
ISBN 978-3-:451-38698-5

 

Irmi Huber

Nach oben

Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen. Wie Frauen die Welt veränderten

Ingvild Richardsen

Was verbirgt sich hinter diesem auf den ersten Blick provokant wirkenden Titel und Cover? Nein, hier wird nicht von gesellschaftlichen Ausschweifungen berichtet. Ganz im Gegenteil. Die Autorin, bekannt als Kuratorin der Ausstellung „Evas Töchter“ in der Monacensia, beschäftigt sich mit einem interessanten Zeitabschnitt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als ein zentrales Kapitel deutscher Emanzipationsgeschichte in München seinen Anfang nahm. Fundiert und sehr genau recherchiert berichtet sie über den Beginn der sogenannten Frauenbewegung, die ihren Höhepunkt 1899 beim 1. Bayerischen Frauentag fand.

Wir erfahren, wie sich Frauen aus gebildeten Kreisen über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg vernetzten, um sich für die rechtliche Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen stark zu machen. Ihr Engagement galt in besonderer Weise den Mädchen und Frauen der weniger privilegierten Gesellschaftsschichten.

Nicht nur bekannte Namen wie Anita Augspurg und Sophia Goudstikker begegnen uns, sondern auch eine ganze Reihe von Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerinnen, die zu Unrecht in Vergessenheit gerieten. Auch einflussreiche Männer aus Politik, Wirtschaft und Kunst wie der Dichterphilosoph Max Haushofer und der Jugendstilkünstler Hermann Obrist unterstützten die Aktivitäten der Münchner Frauenbewegung.

Nach dieser erhellenden Lektüre drängen sich Fragen auf: Was haben wir diesen Frauen und ihren Unterstützern zu verdanken? Wie konnten sie so sehr in Vergessenheit geraten? Was haben wir Frauen bis heute erreicht? Und was würden uns die Frauen von damals raten?

Am Ende steht die Erkenntnis: Zum Ziel werden wir nur kommen, wenn wir die Männer zu Verbündeten machen.

Ingvild Richardsen: Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen. Wie Frauen die Welt veränderten,Fischerverlage, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397457-7, Hardcover EUR 22,00 - E-Book EUR 18,99.

 

Brigitte Heberle

Nach oben

Das Tagebuch der Maria Walser. München 1865-1914

Eva Graf / Christine Rädlinger

Wer über Münchner Frauen um 1900 noch mehr erfahren möchte, kann sich mit den Lebenserinnerungen einer Frau aus dem gehobenen Bürgertum in die Prinzregentenzeit versetzen lassen: 1874 erbte die erst zwölfjährige Maria Walser eine Mühle im Lehel. Sie erlebte erfolgreiche Jahre und Wohlstand, aber auch die Grenzen, die einer Frau des Bürgertums gesetzt waren. Sie durchlitt den Niedergang des Handwerks mit Fortschreiten der Industrialisierung und verfolgte mit Frauenaugen den politischen Weg in den Ersten Weltkrieg. Ihr faszinierendes Porträt aus dem Alltagsleben mit dem Titel „Bachauskehr“ war lange Zeit vergriffen und wurde nun als vierter Band der Reihe „Vergessenes Bayern“ neu aufgelegt als ein literarischer und mit vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aufschlussreich illustrierter Spaziergang durch das "alte München", besonders das Lehel und die Gegend um die Praterinsel.

Eva Graf / Christine Rädlinger (Hrsg.): Das Tagebuch der Maria Walser. München 1865-1914. Volk Verlag, München 2019, Bd. 4 der Reihe "Vergessenes Bayern", EUR 19,00.

 

Brigitte Heberle

Nach oben

Frauen, die lesen, sind gefährlich
Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug

Stefan Bollmann

Lesende Frauen – auf den ersten Blick etwas Harmloses, manchmal sogar Idyllisches – und ein beliebtes Motiv in der Kunst quer durch die Epochen. Kann es auch etwas Gefährliches sein? Der Germanist, Historiker und Philosoph Stefan Bollmann behauptete dies 2005 in einem Buch, das zum Bestseller wurde. Dass er sich trotzdem 2014 traute, eine bekanntermaßen lesende Frau, Elke Heidenreich, um ein Vorwort für dir Neuauflage zu bitten, zeigt, dass er kluge Frauen wertschätzt – und sie nicht wegen ihrer Gefährlichkeit fürchtet.

Elke Heidenreich konstatiert gleich zu Beginn:

„Auf den Scheiterhaufen der Inquisition brannten vorwiegend Frauen und Bücher. (…) Frauen, die lesen und schreiben konnten, die etwas wussten, und Bücher, in denen dieses Wissen stand, die waren gefährlich.“

[Elke Heidenreich im Vorwort zu Stefan Bollmann: Frauen die lesen sind gefährlich, S. 12., Insel Taschenbuch, München, 2. Auflage 2014]

Wissen ist Macht. Und wer teilt schon gerne Macht. Von der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) stammt der Aphorismus:

„Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt“.

[in: Marie von Ebner-Eschenbach: Schriften Bd. 1, Berlin: Paetel, 1893, S. 61 (Nr. 41)]

Die Frauenfrage, das ist der Diskurs rund um die Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen in der modernen Gesellschaft. Als Hauptmerkmale einer modernen Gesellschaft gelten Industrialisierung, Demokratisierung und – Alphabetisierung! Wer alphabetisiert ist, kann sich selbst Zugang zu Bildung verschaffen. Gefährlich – zunächst einmal für Frauen: Bollmann zitiert nicht ohne Augenzwinkern Philosophen und Pädagogen des 18. Jahrhunderts, die vor einer Erschlaffung des weiblichen Körpers, Probleme mit dem Verdauungstrakt, Störung des Geschlechtsempfindens und schließlich einem frühen Tod aufgrund des Lebensüberdrusses und des körperlichen Verfalls warnten. Gefährlich aber auch für die Gesellschaft: Lesende Frauen würden zu unsittlichem Handeln verführt, zur Faulheit, zur Widerspenstigkeit. Sie könnten Dinge falsch verstehen, könnten unsinnige Theorien entwickeln oder auf Fakten emotional reagieren. In den Familien wäre der Teufel los. Frauen könnten womöglich eine eigene Meinung entwickeln, abweichend von der des Vaters oder des Mannes. Das brächte nur Zank und Streit ein.

Wenn Sie wissen wollen, warum gerade heilige Frauen trotzdem schon ab dem 15. Jahrhundert häufig mit einem Buch in der Hand dargestellt wurden, welchen Einfluss die Reformation auf die Alphabetisierung der Frauen hatte und weshalb bis in die Neuzeit vor allem die stumm Lesende als wenig fromm eingestuft wurde, dann lassen Sie sich am besten von Bollmann auf seinem Streifzug durch die Galerien der Welt mitnehmen.

Das gleichermaßen unterhaltsame und informative Buch ist in verschiedenen Ausgaben sowohl bei Suhrkamp als auch im Elisabeth Sandmann Verlag erhältlich und trotz der reichhaltigen Farbbebilderung sehr günstig.

2010 erschien ein Folgeband unter dem Titel „Lesende Frauen sind gefährlich und klug“. Neben den nachstehenden Taschenbuch-Ausgaben gibt es im Buchhandel noch weitere, auch in gebundener Form.

Stefan Bollmann: Frauen, die lesen, sind gefährlich, Insel TB, München, 2. Auflage 2014
EUR 9,95, ISBN 978-3-458-35958-6

Stefan Bollmann: Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug, Insel TB, München, 2. Auflage 2014
EUR 9,95, ISBN 978-3-458-36028-5

 

Irmi Huber

Nach oben