Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Sommer, Sonne und Corona

Beim Blättern in unserem Jahresprogramm steigt Wehmut auf: Interessante Fahrten zu Frauenorten, spannende Führungen zu Frauenthemen, unterhaltsame Wochenenden in geschützter Frauenrunde, ruhige Tage mit Wohltaten für Körper und Seele in idyllischen Klöstern u.v.m. – abgesagt! Nach wie vor dirigiert Corona das große „Streichkonzert“!

Sicher, in den Bildungshäusern ist der Betrieb wieder angelaufen, in Museen darf fast überall geführt werden, und im Freien braucht es nicht einmal mehr Masken. Doch das heimtückische Virus ist immer noch da. Überall gelten strenge Auflagen – und der Grundsatz: Wer einlädt, trägt die Verantwortung sowohl für das Wohl der Menschen, als auch für den Einsatz der Finanzmittel. Da gilt es gut zu überlegen: Sind Führungen mit Kleinstgruppen sinnvolle Investitionen? Oder Zeit- und Geldverschwendung? Sagen wir Veranstaltungen in Bildungshäusern frühzeitig ab, um hohe Stornogebühren zu vermeiden? Oder warten wir noch zu in der Hoffnung auf eine Lockerung der Hygienevorschriften? Halten wir Kursleiterinnen, die nicht erst drei Tage vorher erfahren wollen, ob der Termin im Kalender bleiben soll, noch ein wenig hin? Oder ersparen wir ihnen gleich die Vorbereitungsarbeiten? Was antworten wir denen, die für eine Teilnahme extra Urlaub nehmen müssen? Oder schlimmer: denen, die zu einer Risikogruppe gehören und wissen müssen, ob sie sich bei unseren Veranstaltungen wirklich sicher fühlen können?

Nach Antworten auf solche Fragen zu suchen, ist momentan unser Alltag, ebenso wie Entscheidungen zu treffen, die manche nicht nachvollziehen können. „Wo bleibt denn das Gottvertrauen?“ meinte neulich jemand vorwurfsvoll. Aber potentiell tödlichen Viren mit Gottvertrauen begegnen zu wollen, wäre nicht nur unprofessionell, sondern grob fahrlässig.

Als Trost für die vielen ausgefallenen und noch ausfallenden Veranstaltungen haben wir für Sie ein kleines Ersatzprogramm zusammengestellt mit Angeboten (überwiegend) unter freiem Himmel. Sollten die Anmeldezahlen bestätigen, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, machen wir auf diese Weise weiter, bis wieder Normalbetrieb  möglich ist.

Ihnen allen eine genussvolle Sommerzeit mit frohmachenden Erlebnissen, ein bisschen Entspannung und/oder ein bisschen Abenteuer – ganz wie Sie es sich erhoffen!

Auf baldiges Wiedersehen – gesund und munter!

 

Gottes Segen wünscht Ihnen fürs Team der Frauenseelsorge

Irmi Huber

Foto Christina Huber

Sommerdonnerwetterintermezzo

Grollen – erst mezzo, dann forte:
Potzblitz und Donnerschlag!
Ich hör noch die Worte:

Die Engelein kegeln,
sagte man mir als Kind.

Unsinn, ohne Frag!

  Doch der heftige Wind
vertreibt die Wolken,

auf Grauschwarz folgt Blau.
Auf einmal seh ich am Himmel genau

in schneeweißen Schiffchen die Engelein
wie einst als Kind.

Sie segeln
sich räkelnd im jetzt wieder blitzenden Sonnenschein.

 Ausgekegelt! Heimgesegelt!

Nach oben

Heilige Corona, hilf!

Heilige Corona*
St.-Corona-Kapelle, Arget**

„Gibt es eigentlich keine Heilige gegen Seuchen?“ wurde ich neulich von einer frommen Nachbarin über den Zaun gefragt. „Doch, die gibt es“, konnte ich ihr antworten, „sie heißt – kein Witz! – Corona.“

Verehrt wird sie vor allem in Venetien, wo in Feltre der größte Teil ihrer Reliquien aufbewahrt wird. Kaiser Otto III. brachte Reliquienteile gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Aachen. Von dort breitete sich die Corona-Verehrung immer weiter aus. Stärker verbreitet ist sie seit dem 14. Jahrhundert in Niederbayern und Niederösterreich bis nach Wien.

Von dieser eher unbekannten heiligen Frau weiß ich, weil ich in der Nähe einer Corona-Kapelle wohne. Sie steht ein bisschen versteckt in Arget bei Sauerlach.

Wie die frühchristliche Märtyrerin zur Schutzpatronin vor Seuchen wurde, ist so ungewiss wie ihre Lebensgeschichte, die man sich aus ganz verschiedenen asiatischen, afrikanischen und europäischen Legendensträngen zusammenreimen muss.

Ob sie nun 161 oder 287 geboren wurde, ob in Ägypten oder in Syrien – für beides gibt es Belege. Ziemlich sicher scheint zu sein, dass sie nicht alt wurde und ein schreckliches Ende fand. Als 16-Jährige soll sie zusammen mit ihren Verlobten oder Ehemann, dem Soldaten Viktor, Opfer der Christenverfolgung geworden sein. Ihren geliebten Partner soll sie in den letzten Lebensstunden ermutigt haben, standhaft alle Martern der Folterknechte zu ertragen. Nach dessen Enthauptung wurde sie wohl zwischen zwei herabgebogene Palmen gebunden, so dass ihr Körper beim Zurückschnellen der Bäume zerriss. Bis zu ihrem Tod soll die junge Christin unglaublich tapfer und mutig für ihren Glauben eingetreten sein. Dass sie wegen ihres Martyriums Patronin der Fleischer wurde, wirkt ziemlich makaber. Zur Patronin der Schatzsucher erkor man sie wegen ihres Namens. Auch dass sie für einen dicken Geldbeutel sorgen soll, hängt mit ihrem Namen zusammen, denn schließlich ist eine Krone eine Kostbarkeit. Angeblich geht die alte Münzeinheit, die Krone, die beispielsweise bis 1924 in Österreich verwendet wurde, auf die Heilige Corona zurück, die als Patronin des Wohlstands durch ausreichend Münzen gilt. Weil Seuchen immer auch den Handel lahmlegten, könnte es sein, dass Corona vor allem deshalb bei Mangel an Geldfluss zu Zeiten von Epidemien angerufen wurde.

Bis hierher scheint die düstere Geschichte nicht dazu angetan, jetzt, da die ganze Menschheit vor dem gleichnamigen Virus zittert, tröstlich zu wirken. Mit dem Virus hat die Heilige nur gemeinsam, dass ihr Name Krone bedeutet und das Virus unterm Mikroskop aussieht, als würde es ganz viele Kronen tragen.

Doch als das Virus in Bayern angekommen war, dachten die in München tätigen Geistlichen der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, Erzpriester Apostolos Malamoussis und Erzpriester Georgios Vletsis sofort an die Heilige, die nach orthodoxer Tradition Stephana oder Stephanida genannt wird, und machten sie zu einem Zeichen der Hoffnung: Sie besuchten die Corona-Kapelle in Arget, um dort ein orthodoxes Bittgebet angesichts der Pandemie abzuhalten. Erzpriester Malamoussis gab außerdem beim Münchner Ikonenmaler Paschalis Dougalis die Anfertigung der hier abgebildeten Corona-Ikone für das katholische Gotteshaus in Auftrag.

Gern blicke ich dieser schönen jungen Frau in die klugen Augen. Sie scheint sagen zu wollen: „Geht auf Abstand, aber fürchtet euch nicht! Haltet durch!“ Wie eine Siegerin steht sie zwischen ihren beiden Palmen, die Hände zum Himmel hin offen, ein Bein angehoben, als wolle sie zu tanzen beginnen. Ich mag sie sehr, diese Mut machende Heilige. Auch ihre Zuständigkeiten sind sehr passend. Ich formuliere es mal ganz naiv und im kindlichen Glauben: Mit ihr haben wir einerseits eine Patronin gegen stark ansteckende Krankheiten, andererseits eine Patronin des erfolgreichen Umgangs mit Geld, die in der größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg bei den himmlischen Mächten für die Menschheit um Hilfe bitten kann. Eine solche Freundin und Fürsprecherin im Himmel zu haben, tröstet mich in der gegenwärtigen Situation durchaus.

Noch wird das prächtige Werk in der Griechisch-Orthodoxen Allerheiligenkirche München verehrt. Täglich entzünden die beiden Erzpriester eine Kerze vor der Heiligen und sprechen dabei Gebete um Beendigung der Pandemie. Nach 40 Tagen gilt die Ikone als geweiht und darf weitergegeben werden. Für 14. Mai 2020, dem katholischen Gedenktag der Heiligen Corona, ist deshalb ein ökumenischer Gottesdienst in Arget mit feierlicher Übergabe des tiefsinnigen Geschenks geplant. Bleibt zu hoffen, dass die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus dann einen öffentlichen Gottesdienst zulassen. Den würde ich gern mitfeiern.

Irmi Huber

* Abbildung: Heilige Corona (2020) von Paschalis Douglasis
Foto: zur Verfügung gestellt von Erzpriester Apostolos Malamoussis mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser Website
** Foto: Angelika Jaumann

Nach oben

Säen und pflanzen – trotzdem!

Foto (bearb.): Johanna Hofmann-Mörwald

In den letzten Wochen, in denen wir täglich mit neuen Krisen-Informationen und verschärften Regeln für das gesellschaftliche Leben konfrontiert wurden, machte ich beiläufig Beobachtungen wie diese: Nachbarinnen, Freundinnen und ich selbst – wir versorgten uns parallel, als es noch ging, reichlich mit Saatgut, Frühlingspflanzen und Kräutern, und brachten sie in Töpfen und Beeten aus. Dabei kam sinngemäß bei allen die Begründung: Trotz- und alledem! Ich brauche das Säen und Pflanzen als Gegengewicht auf der Waagschale für meine innere Balance – für das Prinzip Hoffnung! Als Zeichen dafür, dass das Leben sich nicht unterkriegen lässt. Dass wir zuversichtlich bleiben, auch wenn ich meine Kräutertöpfe in den letzten Frostnächten zu ihrem Schutz noch in den Keller bringen musste.

Ich freue mich auf danach! Trotz- und alledem.

Johanna Hofmann-Mörwald

Nach oben

Morgenlob

Foto: pixabay

Ganz still werden
die Augen schließen
meinen Atem spüren
die Ruhe auskosten
...
Du willst mich füllen
mit Energie und guten Gedanken
mit Lebensfreude und Zuversicht
mit Hoffnung und Vertrauen
damit mein neuer Tag gelingt
...
Ich öffne dir weit mein dankbares Herz
(dazu eine passende Gebärde machen)  

und spüre in mir die Kraft deines Segens
(Hände aufs Herz legen)  

Irmgard Huber (2015)  

Nach oben

Morgengebet für Aktive

Bild: Lisette Brodey auf pixabay

Guter Gott,
in den neuen Tag nehme ich diesen Vorsatz mit:  

So gut wie möglich,
so effektiv wie nötig,
so hilfreich wie erbeten,
so behutsam wie angemessen,
so sei mein Wirken heute in dieser Welt.  

Gib dazu deinen Segen.
Darum bitt' ich dich. Amen.  

Irmgard Huber (2015)  

Nach oben

Morgengebet in dunkler Zeit

Foto: pixabay

Schwer erhebe ich mich.
Kein guter Start.
Vor mir keine leichten Wege.
Keine unbeschwerten Schritte.
Doch kein Schritt ohne DICH.  

Schwer atme ich.
Nicht angstfrei.
Vor mir Berge.
Kaum Kraft für den Aufstieg.
Doch in meinen schwachen Gliedern DU.  

Schwer hoffe ich:
Lasten, nicht mehr als ich tragen kann.
Und für mein kleines Herz
dann und wann ein bisschen Freude
liebevoll bereitet von DIR.  

Irmgard Huber (2015)  

Nach oben

Zum Tagesbeginn

Foto: pixabay

Ein neuer Tag beginnt,
er liegt vor mir wie ein frischgedeckter Tisch
eine noch nicht betretene Wiese
ein Weg, den noch niemand ging.

Ich darf noch einen Moment genießen;
muss nicht sofort an alles denken,
darf dich in meinem Tag begrüßen,
Du Morgenschöne, Du.

Ich grüße dich
Arme weit zur Seite und nach oben ausstrecken                              

und bitte dich: segne mich
Hände über dem Kopf zusammenführen und langsam am Gesicht entlang bis zur Brusthöhe zu einer Schale formen

öffne mich.
kurz verweilen

Amen.
mit übereinandergelegten flachen Händen vor der Brust verneigen

 

Marion Mauer-Diesch (2015)

Nach oben

Aufgewacht und aufgestanden

Foto: pixabay

Ich recke und strecke mich,
schüttle den Schlaf aus meinen Gliedern
und das, was von der Nacht noch in mir ist

So bin ich da –
himmelwärts aufgerichtet und erdverbunden.
Was wird heute sein?
Gott, ich bitte dich um deinen Segen für diesen Tag
erfrische mich mit deinem Geist
und wecke in mir Lebenskräfte,
die ich heute brauche.
Und alles weitere…,
lege ich in Deine Hand.
Amen.


Marion Mauer-Diesch (2015)

Nach oben

Ein Abendritual

Am Ende meines Tages komme ich zur Ruhe.
Ich lege die Hände auf meinen Herzraum und verweile so für den Moment.
Ich schaue, was mich jetzt bewegt und berührt von all dem, was ich heute erlebt habe:
Gottes liebevoller Blick auf mich erinnert daran, selbst mit Liebe, ohne Wertung und Urteil
zurückzublicken:

Wofür möchte ich heute Gott danken?
Worum möchte ich Gott bitten?

Gott, auf dich vertraue ich. In deine Hände lege ich mein Leben, in deiner Hand ruht meine Zeit. (nach Ps 31,16)

 

Marion Mauer-Diesch (2015)

Nach oben

Für den Übergang vom Tag zur Nacht

Foto: unsplash

Übergänge wollen gestaltet werden.
Meist übergehen wir sie.
Ich gehe bewusst vom Tag zur Nacht
und lege die Aktivität des Tages ab, wie die Kleidung.
Ich streife meine Uhr ab und entdecke die Langsamkeit.
Ich gehe von außen nach innen und
suche die Stille in mir.
Guter Gott, lass mich tief drinnen in der wundersamen Dunkelheit
dein Wort mir entgegenwachsen hören.
Amen.

 

Marion Mauer-Diesch (2015)

Nach oben