Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

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Vom Oster- zum Pfingstfest: Zählt 50 Tage

Die christlichen Feiern Ostern und Pfingsten bewahren viele Elemente ihrer jüdischen Herkunft. So steht in der Festordnung im Buch Levitikus (Lev 23,16) für die Zeit zwischen Pessach und Shawuot, dem jüdischen Pfingstfest: Zählt 50 Tage!

Tage zählen, Wochen zählen: bis zum ersehnten Renteneintritt, bis der/ die Liebste oder nahe Angehörige wieder in die Arme geschlossen werden kann, bis zu einer Lockerung der Ausgangsbeschränkungen, zur Wiedereröffnung von Schulen und Kulturstätten…

Zählen kann helfen, sich eine Zeit bewusst zu machen. Die Tage nicht nur abzuhaken, sondern als unterschiedliche Wegstrecken wahrnehmen. Das kann Ordnung und Halt geben. Die Erfahrungen sammeln und dabei das Vertrauen entdecken, dass die Zeit von Gott gehalten ist. Tag für Tag. 50 Tage, das sind 7 Wochen, 7 x 7 Tage plus 1 Tag. Die 7 ist die Zahl der vollkommenen Fülle, zusammengesetzt aus der 3, die für das Göttliche steht, und der 4, Zahl der Welt.

7x7, das ist eine Fülle in Vollkommenheit, die nur Gott wirkt, + 1, der eine Gott, an den wir glauben. Im Judentum markiert dieser 50. Tag ein Erntefest mit Dank für die Erstlingsfrüchte.

Die Apostelgeschichte erzählt von der Geistsendung am jüdischen Wochenfest, dem 50. Tag (griechisch pentecoste hemera). In den romanischen Sprachen ist dieser Zusammenhang noch erkennbar. Als wichtige Etappe auf dem Weg dorthin feiern wir die Himmelfahrt Jesu am 40. Tag nach Ostern.

Worum geht es in dieser Zeit? Es ist eine Zeit im Kirchenjahr in der uns in der Liturgie die Texte aus der Apostelgeschichte und aus dem Johannesevangelium begleiten. Sie zeichnen die Entwicklung auf, wie die noch unsichere Jünger*innenschar allmählich zum Auferstehungsglauben kommt und zu Botschafter*innen der Auferstehung heranreift.

Maria – eine zentrale Gestalt in dieser Zeit

Eine wichtige Stütze dieser sich sammelnden Gemeinde muss Maria, die Mutter Jesu  gewesen sein. An Himmelfahrt und Pfingsten ist sie dabei und mittendrin. Von der Mutter Jesu wird diese geisterfüllte Frau zur großen Glaubensgestalt der jungen Kirche und ein wichtiges Bindeglied der frühen Gemeinde.

Vielleicht Zufall, aber der Blick auf ein dreiteiliges Arrangement von österlicher Blumendekoration, Marienfigur und Kerzenschale in der Hl. Kreuzkirche in Obergiesing verdeutlichte mir spontan diese Verbindung: Die Osterbotschaft des raffinierten Gesteckes lautet: aus der Verschlossenheit des Grabes, des Schmerzes und des Scheiterns treibt das Leben neue Blüten, strecken sich die Zweige und Blüten wie Fühler ans Licht. Das Geflecht ist kein Gefängnis mehr, sondern bietet der Hoffnung Halt und stützt den wachsenden Drang, sich jetzt nach außen zu orientieren und sich zu zeigen. Darüber an der tragenden Säule ist gut sichtbar die Figur der Maria verankert – hier mit lieblichen Grübchen (ihr Sohn hat diese geerbt!). Zu ihren Füßen können Kerzen für ein Gebet, für ein Gedenken gesteckt werden. Für Menschen und Situationen, die jetzt den Schutz und Schirm dieser starken Frau brauchen.

Zählt 50 Tage! Im Blick auf Maria als biblische Frau und Heilige gehen wir im Mai mit seinen verschiedenen Wegetappen über den 1. Maifeiertag, Muttertag, Christi Himmelfahrt dem Pfingstfest entgegen. Öffnen wir uns dabei wie sie der heiligen Geistkraft und lassen uns von ihrem Beispiel in unserem Glauben an die befreiende Botschaft ihres Sohnes begleiten.

Marion Mauer-Diesch

Fotos: Marion Mauer-Diesch (1 + 2) und Bernhard Jungwirth (3)

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Gedanken zur Osterzeit

von Susanne Deininger, Pastoralreferentin in Dachau St. Jakob
https://youtu.be/m5nWQgqX9UQ

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Ostergruß der Frauenseelsorge

Foto: Gabriele Schlüter

Osterkerze 2020

Ein Weizenkorn.
Ein Symbol für Hoffnung.
Außen fest,
im Innern
bereit für
neues Leben.

Das Korn liegt in der Erde.
Es beginnt zu wachsen.
Es strebt zum Licht.

Welch ein Segen,
trotz aller Ängste und Sorgen
ist da eine gute Kraft,
die NEUES LEBEN,
neue Hoffnung
in mir gedeihen lässt,
die Licht in die Seele bringt.

Ostern
Hoffnung – Zuversicht
auf etwas Neues.
Auf eine Wandlung,
auf eine Ver-wandlung.
Nicht mehr in unserer Macht.

Eine Realität.

Da geschieht etwas
mit mir,
mit uns.
Gottes Einwirken
hier und heute.

Frohe Ostern
Halleluja

 


Gabriele Schlüter
leicht verändert von Marion Mauer-Diesch

Den Osterkorb füllen - trotz Corona!

Foto: Christoph Huber

Viele pflegen den alten Brauch, an Ostern Speisen zur Segnung zu tragen – eine Tradition, die ihren Ursprung in jener Zeit hat, als Regeln für die Fastenzeit noch sehr streng befolgt wurden und das Osterfest nach den langen Entbehrungen auch kulinarisch wirklich ein Fest war. Die österliche Speisensegnung in Rom ist schon für das Hohe Mittelalter belegt.

Obwohl hier bei uns der Tisch sogar in den 40 Tagen des vorösterlichen Fastens in der Regel relativ üppig gedeckt ist, gehören bestimmte Speisen nach wie vor zum Osterfest wie die Lebkuchen zum Weihnachtsfest. Sorgfältig wird ein Korb mit symbolträchtigen Osterspeisen befüllt. Die gesegneten Speisen werden nach dem Gottesdienst beim Osterfrühstück genossen.

Auch wenn der Kirchgang heuer entfallen muss, sollten wir nicht auf den klassisch befüllten Osterkorb verzichten:

Der Weihekorb

Es gibt einen guten Grund dafür, die Osterspeisen nicht in der Einkaufstasche oder auf einem Tablett, sondern in einem geflochtenen Korb für die Segnung herzurichten, erinnert dieser doch an ein Nest, wo für das kleine Vögelchen nach dem Durchbrechen der harten Schale das neue Leben beginnt. Dort wird es umsorgt und ist geborgen. Der Korb sagt uns: Ostern ist das Fest des Lebens und der Geborgenheit bei Gott in Ewigkeit.

In manchen Gegenden ist es Tradition, den Korb mit einem reich bestickten Weihedeckchen voll christlicher Symbolik abzudecken oder auszulegen. Schließlich verspricht Jesus Christus uns nicht ein bisschen Leben, sondern ein Leben in Fülle. Gut gefüllt bis über den Rand soll deshalb auch der Weihekorb sein.

Die Eier

Auf Eier musste in der Fastenzeit früher verzichtet werden. Was für ein Genuss war es dann, wenn an Ostern Eier in Fülle auf den Tisch kamen. Das Ei mit seiner harten Schale erscheint wie tot, doch in ihm wächst neues Leben. So symbolisiert es den Übergang vom Karfreitag zum Ostermorgen.

Das Ei, vor allem das rot gefärbte, ist eine besondere Freundschafts- und Liebesgabe. In Osteuropa wird bisweilen Maria Magdalena mit einem roten Ei in der Hand dargestellt, die enge Vertraute Jesu und Erstzeugin seiner Auferstehung. Auch die Ostereier-Suche geht auf sie zurück, schließlich suchte sie den Leichnam des Freundes – und fand den Auferstandenen.

Das Färben der Eier hatte früher vor allem einen praktischen Grund: Die in der Fastenzeit gesammelten, alten Eier wurden gekocht und gefärbt, um sie von den rohen frischen unterscheiden zu können.

Menschen, die man mag, mit liebevoll verzierten oder auch süßen Eiern zu beschenken, ist zum Glück auch in Zeiten von Corona möglich.

Das Lämmchen

„Seht, das Lamm Gottes!“ Mit diesen Worten zeigte schon Johannes der Täufer auf Jesus. Ein Lämmchen ist ein sehr geduldiges Tier. Wenn man ihm wehtut, wehrt es sich nicht. Jesus hat Schreckliches mit sich geschehen lassen, ohne sich zu wehren. Gemäß dem Johannes-Evangelium starb er am Kreuz in der Stunde, als im Tempel die Pessach-Lämmer geschlachtet wurden. Unser Osterlamm trägt eine Siegesfahne, denn Jesus hat den Tod besiegt – auf seine Art: nicht durch Gegenwehr, sondern dadurch, dass er sein Vertrauen auf den himmlischen Vater durch den Tod hindurch getragen hat. Die Antwort des Vaters war die Auferweckung des Sohnes am Ostermorgen.

Das Salz

Das einfachste Mittel, um Speisen haltbar zu machen, ist, sie einzusalzen. Gesalzenes kann man lange bewahren, ohne dass es verdirbt. So hat Salz für uns Christ*innen die tröstliche Botschaft: Gott bewahrt uns vor dem Verderben.

Auch dem Weihwasser und speziell natürlich dem Osterwasser wird Salz zugesetzt, um Keime abzutöten.

Der Schinken

Der Osterschinken hat eine lange Tradition, ist er doch Fleisch, das durch Salzen haltbar gemacht wurde. Durch ihn werden wir an das ewige Leben bei Gott erinnert.

Der Meerrettich

Doch uns Christ*innen ist trotz Ostern hier auf Erden kein süßes Leben versprochen. Meerrettich, die scharfe, bittere Wurzel, die auf der Zunge brennt, holt uns auf den Boden der Tatsachen: Auch für die, die auf Gott vertrauen, ist das Leben kein Zuckerschlecken. Aber im Vertrauen auf Gottes Liebe, Freundschaft und Fürsorge können wir vieles ertragen.

Das Brot

Fast überall auf der Welt ist Brot in irgendeiner Form Grundnahrungsmittel. Unsere Freundschaft zu Jesus ist für uns so wichtig wie das tägliche Brot. Nicht umsonst schenkt sich Jesus den Seinen im Zeichen des Brotes.

Der Osterfladen als feines, süßes Brot ist den hohen Festtagen angemessen. Lange Tradition haben sogenannte Gebildebrote an Ostern. Dazu wird der Teig in eine bestimmte, regional sehr unterschiedliche Form gebracht. Die Brotspirale steht beispielsweise für den Fluss des Lebens, die Brotsonne für den Ostermorgen, der Kranz für die Ewigkeit.

Auch in Form eines Hasens wird gebacken, denn das fruchtbare Tier ist ein weit verbreitetes Symbol für Leben. Da der Hase mit offenen Augen schläft, gilt er als Symbol für Leben, das keinen Tod fürchten muss.

Der Apfel

Mancherorts kommt auch ein schöner, verlockender Apfel in den Weihekorb. Er symbolisiert das durch Christus wiedergewonnene Paradies.

Butter und Käse

Nach der mageren Kost in der Fastenzeit freute man sich früher über fette Speisen. Bei den ersten Speisensegnungen im Vatikan sollen deshalb Butter und Käse dabei gewesen sein. Als Osterspeisen sind sie in Vergessenheit geraten, was schade ist, denn mit ihrer Nahrhaftigkeit, ihrem Wohlgeschmack und herrlichen Aromen stehen auch sie für das versprochene Leben in Fülle.

Grüne Kräuter

Dass die Grünkraft ein Gottesgeschenk ist, betonte vor allem die Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen, aber auch das einfache Volk wusste um die besondere Kraft in Kräutern und packte sie als Symbol des auferstandenen Heilands in den Osterkorb. Das grüne Ostergras weist ebenfalls in diese Richtung: Wo es grünt, da ist Leben! Wie der Meerrettich kann aber auch der herbe Geschmack mancher Kräuter daran erinnern, dass hier auf Erden manches Bittere ertragen werden muss.

Segnung der Speisen

Egal, was Sie – ob nun aus überkommener Tradition oder aus persönlicher Vorliebe – in den Weihekorb packen, es sollte in der Überzeugung geschehen: der Glaube an Jesus Christus und an seine Auferstehung gibt Kraft zum Leben – wie eine gute Mahlzeit.

Als Ausdruck dieses Glaubens können Sie nachfolgendes oder ein ähnliches Segensgebet verwenden. Obwohl der Volksmund von einer „Speisenweihe“ spricht, handelt es sich – auch im kirchlichen Gottesdienst – um eine Speisensegnung. Segnen ist keine Handlung, die nur Priester vollziehen dürfen. Segen von Gott erbitten, das dürfen wir alle.

 

Gott in deiner Güte,
segne diese Speisen: das Brot, die Eier und das Fleisch,
segne alles, was diesen Korb füllt.
Sei beim österlichen Mahl in unseren Häusern gegenwärtig.
Lass uns beim Verzehr der Speisen wachsen in geschwisterlicher Liebe.
Mehre in uns das Gefühl österlicher Freude.
Stärke in uns die Hoffnung auf das ewige Ostermahl in deinem Reich.

Auf dich vertrauen wir jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Christus ist unser Osterlamm. Halleluja.
Lasst uns Festmahl halten. Halleluja.

 

Irmi Huber

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„Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder!“ (Lk 23, 28)

(c) Veronica von Degenfeld *
(c) Veronica von Degenfeld **

Wenn wir auf die Leidensgeschichte Jesu schauen, wie sie uns in den Evangelien erzählt wird, fällt auf, dass es vor allem die Frauen sind, die in den schweren Stunden an seiner Seite bleiben. Die vielleicht auch schon im Vorfeld die Ahnung eines schlimmen Endes nicht ausblendeten, denken wir an die prophetische Handlung der Frau, die Jesus zu Beginn der Passionsgeschichte das Haupt mit sündteurem Nardenöl salbte. Die Frauen laufen nicht weg, sondern folgen ihm nach der Verurteilung auf seinem Weg zur Hinrichtung und bleiben in seiner Nähe bis zum Tod am Kreuz.

Sie stellen sich der Wirklichkeit und beweisen Rückgrat. 

Auch in diesen Tagen und Wochen tragen Frauen einen beachtlichen Teil der Last, die die Corona-Pandemie fordert. Überwiegend Frauen stemmen den sog. „Care-Bereich“ und sind dort, wo es um lebensnotwendige Sorge um Menschen geht, um ärztliche und pflegerische Hilfe, um Betreuung und Nähe. Ob als Pflegekräfte im ambulanten Bereich und in den Einrichtungen, als meist aus Osteuropa stammende 24- Stunden Kräfte, wenn zuhause gepflegt wird, als Erzieherinnen in den Kindergärten und Horten, an den Kassen der Drogerie- und Supermärkte. Es sind Berufe, in denen die direkte Begegnung von Mensch zu Mensch wesentlich ist, Sozialkontakte stattfinden – und die in der Situation einer ansteckenden Virus- Krankheit besonders verwundbar machen.

Direkte Kontakte berühren, machen verwundbar. Von solch einer Begegnung erzählt das Lukasevangelium in seiner Version der Passionsgeschichte. Als achteI Kreuzwegstation fand die Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen aus Jerusalem bildlich ihren Niederschlag.  

Evangelium nach Lukas, Kapitel 23

27 Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. 28 Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! 29 Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. 30 Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! 31 Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?

Eine Begegnung, die weh tut. Auf beiden Seiten. Weint nicht über mich, sondern über euch …. Das sind harte Worte. So wie sich Jesus selbst umwendet, um die Frauen anzusprechen, so fordert er die Frauen auf, nicht zu verharren mit dem Blick auf sein Leid, sich nicht lähmen zu lassen vom eigenen Schmerz. Bleibt nicht nur beim Mitleid stehen, sondern schaut genau hin, schaut auf euch selbst! Schaut auf die Welt um euch. Schaut dorthin, wo Menschen zu Opfern werden und nicht nur unsere Tränen, sondern auch unsere Hilfe brauchen.

Wirkliches Mitleid meint auch Selbsterkenntnis und Bereitschaft zur Umkehr. Weil wir schuldig werden, wenn wir uns raus halten und andere es machen lassen.

Karfreitag bedeutet, dass Gott sich in Leidenschaft zu uns Menschen engagiert, sich verwundbar gemacht hat, bis in den Tod, damit wir heil werden können. 

Gott, wir beten heute

  • für alle Menschen, die sich derzeit um das Wohl und das Leben von Menschen sorgen und für Menschen, die besonderen Beistand und Schutz brauchen
  • für Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind und Angst haben über einen schlimmen Verlauf
  • für Menschen, die sich sorgen, und nicht in der Nähe sein dürfen von Menschen, die ihnen wichtig sind
  • für Frauen und Kinder, die bei Konflikten aufgrund der Enge und Ausgangsbeschränkungen besonders schutzlos sind und auf Hilfe angewiesen sind
  • für Kinder in den Flüchtlingslagern, die ohne Sicherheit und Betreuung sind, weil sie niemanden haben, der sich ums sie sorgt.  

Segen

Der mütterliche Schoß, die Barmherzigkeit Gottes, umgebe uns.
Der Atem Gottes, ihr Geist, die „ruah“ erfülle uns.
Die Gegenwart Gottes leuchte in uns
und die Weisheit Gottes begleite uns auf all unseren Wegen.

Amen 

Segen: Wiltrud Huml


Vorschlag

Suchen Sie doch heute einen Kreuzweg in Ihrer Nähe auf, oder achten Sie beim Besuch in einer Kirche besonders auf die Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen, der VIII. Station des Kreuzwegs.

Der moderne Kreuzweg der Künstlerin Veronica von Degenfeld in der Kirche St. Bonifatius in Haar lohnt einen Ausflug. 

 

Marion Mauer-Diesch

* Veronica von Degenfeld, Jesus begegnet den weinenden Frauen, Kreuzweg in der Kirche St. Bonifatius in Haar, 2000
Foto: Marion Mauer-Diesch
** Veronica von Degenfeld, Christus stirbt am Kreuz, Kreuzweg in St. Bonifatius, Haar, 2000, Foto: Marion Mauer-Diesch

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Im Zeichen des Brotes

Impuls zum Gründonnerstag

Das Wort Hingabe ist aus der Mode gekommen. Dabei ist es ein schönes Wort, meint es doch: sich selbst zum Geschenk machen. Jesus gibt sich uns hin, schenkt sich uns im Brot. In alten Kirchenliedern finden wir diese Formulierung oft.

Viele, die Jesus in seinem irdischen Leben begegneten, durften erfahren: Da ist ein Mensch wie Brot. Seine Zuwendung, seine Worte, sein Handeln – all das gibt Kraft, nährt, baut auf und verbindet die, die es miteinander teilen – wie Brot.

Beim letzten Abendmahl erhielt der enge Kreis um Jesus das geteilte Brot zum Zeichen seines Freundschaftsbundes für alle Zeiten – und erhielt zugleich einen Auftrag, der es in sich hat. Besonders gut erklärte das mehr als zwei Jahrzehnte später der Heilige Paulus. Er machte den Leuten von Korinth klar: Dieses Beschenkt-Werden durch den Empfang der Kommunion soll verwandeln. Das Brot, das zu Leib Christi wird, ist nicht Gabe, die wir einfach so behalten dürfen und die nur uns gut tun soll:

„Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ (1Kor 10, 17)

Indem wir Anteil haben an dieser Gabe, dem einen Brot, das durch die Wandlung Leib Christi wird, werden wir in diese Gabe hineinverwandelt. Wir selbst werden Teil dieses Leibes, werden Leib und Laib – ein tiefsinniges Wortspiel, das nur im Deutschen möglich ist. Wer Anteil hat am Leib Christi hat aber auch Anteil an den Aufgaben der Christinnen und Christen in der Welt. Christlich leben heißt: nicht für sich allein, sondern immer auch für andere leben. „Ein Christ ist kein Christ!“ schrieb bereits am Beginn des dritten nachchristlichen Jahrhunderts der Kirchenschriftsteller Tertullian. Du bist wie Brot für mich – eine alte Redensart, die ausdrückt, dass Menschen füreinander so wichtig sein können wie das tägliche Brot, wichtig wie das zentrale Grundnahrungsmittel, das weltweit zu einem Symbol für alles Lebensnotwendige geworden ist. Für andere so wichtig wie Brot sein zu dürfen, ist etwas Großartiges.

Seit der Steinzeit backen Menschen Brot. Oder genauer: backen Frauen Brot. Brot backen ist noch heute in vielen Ländern vor allem bei Nomadenvölkern traditionelle Frauenarbeit. Im alttestamentlichen Bild vom Manna-Wunder, als Gott sein Volk mit Brot vom Himmel speist, ist deshalb ein weibliches Gottesbild verborgen: Gott als Bäckerin. Gerade im ländlichen Alpenraum ist es immer noch der Brauch, dass die Hausfrau mit dem rechten Daumen ein Segenskreuz auf einen neuen Brotlaib zeichnet, bevor sie ihn anschneidet und die Scheiben an die Tischgemeinschaft austeilt – eine sehr berührende, heilige Handlung, ein Sakrament des Alltags. Wo auf Bauernhöfen noch Brot im Holzofen gebacken wird, wird für das Osterbrot häufig ein Brotstempel verwendet, der das Jesusmonogramm beinhaltet. Im Volksmund steht das Kürzel IHS für Jesus, Heiland, Seligmacher. Tatsächlich sind die Buchstaben, dem griechischen Alphabet entnommen, ein Namenskürzel für JESUS. Das vermeintliche H ist ein großes E, ein Eta. Das griechische Sigma als dritter Buchstabe wurde schon sehr früh in der christlichen Tradition durch ein lateinisches S ersetzt. Geteiltes Brot aus Frauenhand, von ihr versehen mit dem Monogramm unseres Heilands – im Alltag also ein alter Brauch!

Wenn wir heuer am Gründonnerstag nicht den Leib Christi in Erinnerung an das letzte Abendmahl miteinander teilen können, weil unsere Kirchen leer bleiben müssen, so könnten wir doch immerhin Brot backen und mit einem Symbol für Jesus Christus versehen. Wer keinen Stempel hat, und das werden die meisten sein, kann Körner verwenden oder Mehl mit einer Schablone aufstreuen.

Brot sein – ich für euch

Quelle: Wikimedia Commons*

Zur Nahrung werden
Stärke teilen
mich verteilen
mich für euch

Zur Speise werden
Energie spenden
mich spenden
mich für euch

Zur Hoffnung werden
Kraft schenken
mich schenken
mich für euch

Brot sein – ich für euch

 

Irmgard Huber

*Aus dem Kräuterbuch Hortus sanitatis, Mainz 1491: Abbildung zum Kapitel Panis - Brot

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Feiern ohne Kirche – geht das?

Auch wenn wir heuer nicht wie gewohnt in Gemeinschaft Gottesdienste feiern können, fallen Kartage und Ostern nicht aus.

Neben unzähligen Angeboten von Live-Streams aus Kirchen und Kapellen gibt es auch die Möglichkeit, zuhause selbst kleine Liturgien zu feiern.

Das Schweizer Liturgische Institut hat für die Kartage und Ostern sehr alltagstaugliche Rituale für zu Hause entwickelt: mit Symbolen, in einfacher Sprache, nicht zu lange, leicht durchführbar. Z.B. eine Lichtkommunion für die Osternacht und eine Speisensegnung für Ostersonntag.

https://liturgie.ch/

Unabhängig von den Kar- und Ostertagen finden Sie dort außerdem ein Lichtgebet für alle, die am Abend in Solidarität eine Kerze ins Fenster stellen.

Nachfolgender Link, ebenfalls aus der Schweiz, kündigt eine Osterliturgie von Frauen an und ruft zu einem Osterritual von Frauen in Erinnerung an Maria Magdalena auf:

https://www.katholisch.de/artikel/25083-katholikinnennetzwerk-uebertraegt-von-frauen-gestaltete-osterliturgie

Wer die Osterliturgie miterleben möchte, muss sich unter https://voicesoffaith.org/de-easter anmelden.

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Gedanken zum Palmsonntag mit einem Bild von Magda Bittner-Simmet aus der Ausstellung „Aufblühen oder die Sprache der Blumen“

Das Blumenstillleben mit Kruzifix aus dem Jahr 1948 zeigt einen duftig leichten Strauß aus weißen und hellrosa Lilien im Vordergrund. Die Blumen sind so arrangiert, dass sie den Blick frei lassen auf ein an der Wand hängendes Kruzifix. Sie umrahmen fast liebevoll den Gekreuzigten, eine selbstverständliche und doch besondere Einbeziehung des Heilands am Kreuz in den Alltag. Unten am Kreuz steht, leicht verdeckt, eine blau gewandete Marienfigur.

Die frischen Blumen leuchten wie für einen Geliebten.

(c) Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Die Künstlerin Magda Bittner- Simmet verlor 1947, nur wenige Zeit nach Ende des Krieges, auf tragische Weise ihren Mann, einen Arzt. Kurz vor der kirchlichen Trauung verstarb er nach einer Infektion an den Folgen einer Medikamentenvergiftung. Ob das eine Rolle spielte, für die Motivwahl?

In diesen Tagen der Corona- Krise gehen mir die Bilder der vielen Särge  bei den Beerdigungen Italiens, aber auch hierzulande nicht aus dem Kopf.  Nur ein Angehöriger oder zwei und der Priester dürfen dem/der Toten die letzte Ehre erweisen. Dabei fallen manchmal die Blumen auf den Särgen besonders ins Auge. Die leuchtenden Blumen sind für die Angehörigen die einzige Form der Bezeugung ihrer Zuneigung für die Verstorbenen, Zeichen einer Verbindung über den Tod hinaus.

Ein christlicher Brauch am Palmsonntag ist es, die geweihten Palmbuschen an das Kreuz als Zeichen des Dankes und der Zuneigung für Jesus zu stecken, an Maria Himmelfahrt sind es die duftenden Kräuterbuschel.

Blumen am Kreuz, Symbol des Lebens und der Liebe,
Hoffnung auf Auferstehung.
Neues Leben blüht dem Tod.

Nachdem dieses Jahr die Heilige Woche, beginnend mit dem Palmsonntag, anders als gewohnt begangen wird, bleiben uns gerade die Bräuche und Rituale, die auch zuhause praktiziert werden können. Binden Sie doch einen Palmbuschen mit dem, was ihre Umgebung an Möglichkeiten hergibt, oder stellen Sie einen kleinen Strauß zusammen.  Als ein Zeichen, dass wir uns in den Weg Jesu, an den wir in dieser Woche erinnern, miteinbeziehen lassen und dankbar sind für seine Nähe für alle Menschen, die heute und jetzt schwere Weg gehen.

Marion Mauer-Diesch

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Osterkerze 2020 gestalten

Foto: Gabriele Schlüter

Gedanken zur Osterkerze

Ein Weizenkorn.
Ein Symbol für Hoffnung.
Außen fest,
im Innern
bereit für
neues Leben.

Das Korn liegt in der Erde.
Es beginnt zu wachsen.
Es strebt zum Licht.

Welch ein Segen,
trotz aller Ängste und Sorgen
auch Gutes um sich zu haben,
etwas,
das NEUES LEBEN,
neue Hoffnung
in mir gedeihen lässt,
das Licht in die Seele bringt.

Auf-steh-momente sind es,
mitten im Alltag.
Ein geschenktes Lächeln,
ein gutes Wort,
eine liebevolle Zuwendung.
Und vieles mehr.

Das Weizenkorn braucht Erde zum Wachsen.

Was brauche ich?
Was tut mir jetzt gut?

Was kann auch ich für diese österliche Freude
bei mir - bei anderen - tun?

Frohe Ostern
Halleluja.

 

Gabriele Schlüter

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Anleitung

Fotos: Gabriele Schlüter
 

Materialien:

Eine weiße Kerze
Weizenkörner
Wachsplatten zum Verzieren
(gold, hellgrün … Farben nach Ihrer Wahl…)
Unterlage zum Schneiden
kleines Messer

Hinweis zur Gestaltung einer Osterkerze

Ein kleines Weizenkorn liegt in Ihrer Hand.
Betrachten Sie es.
Geben Sie ihm Wärme.
Legen Sie Ihre Gedanken,
Ihre Hoffnungen, Ihre Ängste
und Sorgen zu diesem Korn.
Gönnen Sie sich Zeit.
Danach nehmen Sie ein kleines Stück
goldenes Wachs und umhüllen es.
Liebevoll,
behutsam.
Legen Sie dieses Teil auf Ihre
weiße Kerze.
Nehmen Sie weitere Körner.
Wiederholen Sie dieses TUN.
So wird auf Ihrer Kerze ein großes Korn entstehen.
Wert-voll durch Ihr Handeln.

Danach legen Sie hellgrüne Keimblätter,
die nach oben zum Licht streben,
an das große goldene Korn.

Gestalten Sie nun die Erde.
Ihre Erde, Ihren Boden.
Auch ein Zeichen für Ihren Alltag,
für Leichtes, Frohes, Schweres, Mühsames.
Das ist der Schatz,
IHR Schatz,
den Sie dem Korn anbieten.

Ostern
Hoffnung – Zuversicht
auf etwas Neues.
Auf eine Wandlung,
auf eine Ver-wandlung.
Nicht mehr in unserer Macht.

Eine Realität.

Da geschieht etwas
mit mir,
mit uns.
Gottes Einwirken
hier und heute.

Frohe Ostern
Halleluja.


Gabriele Schlüter

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Bräuche rund um das Osterwasser

Taufbrunnenhaus Kloster Maulbronn;
Foto: J. Hofmann-Mörwald

Wir Christen feiern Ostern als das Fest der Auferstehung Jesu – seinen Sieg des Lebens über den Tod.

Dass Ostern als bewegliches Fest immer am 1. Sonntag des Frühlings-vollmondes gefeiert wird, verweist auf alte Jahreszeitentraditionen. So knüpft unser christliches Hauptfest  auch symbolisch und praktisch an  das Fest der Frühlingsgöttin Ostara an, oder im germanischen Glauben dem  der Göttin Freya.  Als Symbolgestalten verkörperten die früheren Göttinnen das weibliche Lebensprinzip, hier die große Mutter in ihrem Frühlingsaspekt, dem der jungen Frau.

In der Natur entspricht das Wasser als zentrales Symbol dieser Lebenskraft des Frühlings und des Neuanfangs. Ebenfalls das stärker werdende auf- lodernde Licht;  die Osterfeuer zeugen bis heute noch davon. Und die Osterkerze und alle Lichter, die an ihr entzündet werden: zeichenhaft für Christus, den Auferstandenen. Die Osternacht-Liturgie wird  eröffnet mit dem feierlichen Ruf: Lumen Christi.

Ein weiterer alter Brauch in den von der Landwirtschaft geprägten Kulturen war das Schöpfen des Osterwassers am Ostermorgen; er lebt heute wieder neu auf. Noch vor Sonnenaufgang sollten es vor allem junge Mädchen holen, von einem Fluss oder einer Quelle und  schweigend heimtragen. (Davon erzählte mir meine Großmutter, die in der wasserarmen Gegend der Fränkischen Schweiz vom Dorf aus zur  mehr als einen km entfernten Quelle ins Tal ging und in einer Plechbütte am Rücken das Quellwasser heimtrug.)  Das Gehen im Schweigen  weist auf die besondere rituelle Bedeutung dieses Wassers  hin.  Es soll Segen, und  besonders Schönheit und Gesundheit bringen. Im bäuerlichen Gebrauch wurde damit auch die Wohnstube besprengt, zur Reinigung und Vertreibung von Ungeziefer.

Weiterhin galt es als Heilwasser bei Haut- und Augenkrankheiten. In noch früheren Zeiten wurde es auch für Zeremonien zur Fruchtbarkeit verwendet.

Anderwo wiederum zogen die  jungen Mädchen singend und tanzend über die Felder und segneten diese mit dem geschöpften und geweihten Osterwasser.

Ich selbst wurde als Kind  noch in den 50 er Jahren des letzten Jahrhunderts am 30. April, (dem Tag vor dem 1. Mai) an die Ecken unserer Felder geschickt, um dort das geweihte Osterwasser auszubringen, verbunden mit einem christlichen Segenspruch. Dieses alte „getaufte“ Ritual  habe ich sehr ernst genommen und gewissenhaft ausgeführt. Sollte doch dieser Vollzug eine gute Ernte im Verlauf des Jahres bringen.

Impuls:

Durch die Umstände bedingt können wir dieses Jahr nicht die österlichen Festgottesdienste in den Kirchen besuchen. So  wäre eine gute Möglichkeit, den alten Brauch des schweigenden Quellgangs wieder zu beleben;  allein oder mit der Familie. Das Ritual mit Schöpfen in Krüge oder Flaschen – ebenfalls im Schweigen– kann dann mit österlichen Texten  und Liedern, und einem Wassersegen gestaltet werden.

Johanna Hofmann-Mörwald

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