Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

REISEIMPRESSIONEN

 

 

Wasserimpuls

Foto: Marion Mauer-Diesch

Der Blick auf das kristallklare Wasser der Soḉa, ein Fluss in Slowenien an der Grenze zu Italien, tut mir täglich gut, wenn ich den PC öffne. Der Fluss hat sich tief in eine Schlucht gegraben, und ich spüre noch die Erfrischung durch die kühle Feuchtigkeit beim Wandern, höre das Rauschen des Wassers und erinnere mich an meine Freude und Dankbarkeit über das Geschenk der Schöpfung in diesen Urlaubstagen. Oft soll etwas ins Fließen kommen, Gedanken und Ideen aus der Tiefe hervorgeholt werden in unserer Arbeit. Mystikerinnen wie Teresa von Avila und Mechthild von Magdeburg haben von Gott als einer sprudelnden Quelle in ihrem Inneren gesprochen und das Erfrischen und Erneuern der Seele in Bildern des fließenden Wassers erfahren.

Momentan sind wir alle ja in einer eher unfreiwilligen Klausur, ist unser Aktionsradius begrenzt. Vielleicht entdecken wir bewusster Momente der Meditation und können unseren Innenraum erkunden und wahrnehmen wie eine unterirdische Wasserader. Oder suchen bei einem Spaziergang Wasser auf, sehen das häufigere Händewaschen auch als eine Begegnung mit dem Reichtum sauberen Wassers in unserem Land.

Das Bild weckt bei mir auch Erinnerungen an den Weltgebetstag 2019 aus Slowenien. Das kleine Land Slowenien hat nämlich ein sehr sprechendes „Narrativ“, das ist eine Geschichte, die für sein Selbstverständnis steht, die in etwas folgendes erzählt: Als Gott die Welt erschuf und allen ihr Land zuteilte, hatte er eine kleine Gruppe vergessen, die ganz bescheiden dastand und wartete. Gott fragte sie: „Warum geht ihr nicht in euer Land?“ „Du hast uns noch keines zugewiesen.“, antworteten sie. Tatsächlich, er hatte sie vergessen. Das war ihm aber sehr peinlich. Was nun? Er überlegte kurz und sagte dann zu ihnen: „Ich habe noch ein ganz kleines Stückchen Land, aber es hat einen besonders schönen kleinen Küstenstreifen, eine fruchtbare Tiefebene, sanfte Wiesen und Bäche und weil es so klein ist, ist es sogar unterkellert mit geheimnisvollen Tropfsteinhöhlen und einem unterirdischen See. Das Land, das ich euch gebe, ist der Teil in dem ich mich eigentlich selbst erholen und ausruhen wollte.

So kamen die Slowenen zu ihrem Land.[1]

Ein schönes Bild: ein kleines Land, das seinen Reichtum in den Tiefen der Schöpfung hat, wo selbst Gott sich ausruht. Teresa von Avila würde sich freuen über dieses Bild.

Gott, sei mir das Wasser des Lebens.
Stille meinen Durst nach Fülle, Geborgenheit,
Klarheit, Gemeinschaft und Freiheit.
Lass mich lagern und ruhen an deinen Wassern,
und hilf mir,
bei dem zu bleiben, was mir wichtig ist,
mit anderen teilen,
was erfrischt und erneuert. Amen.

 

Marion Mauer-Diesch

[1] https://weltgebetstag.de/fileadmin/user_upload/downloads/Ideen2019/webseite_downloads_slowenien_ideen_02-begruessung.pdf

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