Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

KUNSTGENUSS

FANTASTISCHE FRAUEN. SURREALE WELTEN VON MERET OPPENHEIM BIS FRIDA KAHLO

Folgen Sie SCHIRN Kuratorin Ingrid Pfeiffer in einer halbstündigen Führung durch die Ausstellung FANTASTISCHE FRAUEN und erhalten Sie spannende Hintergrundinformationen über die Entstehung der Ausstellung und zu ausgewählten Künstlerinnen des Surrealismus.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT auf YouTube

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Aufblühen oder die Sprache der Blumen

Bilder von Magda Bittner-Simmet, Anette Koch und Fotografien von Sabine Jörg

Dieser Ausstellung im AtelierMuseum der Magda Bittner-Simmet Stiftung liegt ein besonderes Konzept zu Grunde. In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten wurden die einzelnen Arbeiten unter verschiedenen Aspekten jeweils als Trialog zusammengestellt – so ergibt sich eine spannende Gegenüberstellung und Zusammenschau. Einige der ausgestellten Werke stellen wir Ihnen in unserer Rubrik „Kunstgenuss“ vor.

Wir laden Sie ein, die Motive auf sich wirken zu lassen und hoffen, dass sie Ihnen gerade in der momentanen Situation Lust zum verweilenden Betrachten und Freude bereiten. Entdecken Sie zusammen mit den Künstlerinnen und der Kustodin der Magda Bittner-Simmet Stiftung, Christiane von Nordenskjöld, die Vielfalt und den Reiz der in den Bildern gezeigten Welt der Blumen.

Seit dem Beginn der Corona-Krise und dem Lockdown im März ergaben sich folgende Themen:
Blüten-Trialog mit Kreuz | Lieblingsbilder | Natur und Wasser | Fülle

Unser Dank gilt den Künstlerinnen Anette Koch und Sabine Jörg sowie der Magda Bittner-Simmet-Stiftung, die uns für diesen Zweck die Bilder zur Verfügung stellen. 

Beachten Sie auch die Veranstaltungen zur Ausstellung in unserem Jahresprogramm, die „Blaue Stunde“ am 21.9.2020 und den "Oasentag",  der auf den 7.11. verschoben wird.

Marion Mauer-Diesch

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FÜLLE

Die Natur macht es uns vor: Das Viele ist da, verschwenderisch, lockt, ruft Bewunderung und Staunen hervor. Der Juni ist die Zeit der Beerenernte, der Rosenblüte, ein Fest der Farben und der Fülle. Wir dürfen aus dieser Fülle leben! (Joh 10, 10) 

Die Künstlerinnen haben ihren eigenen weiblichen Blick auf diese Fülle und inszenieren sie neu. Sie lassen uns ans ihren Entdeckungen teilhaben.

Marion Mauer-Diesch

Vogelbeeren

© Magda Bittner-Simmet Stiftung

1946, Aquarell, 42,3 x 38,2 cm

Dies delikate Aquarell aus dem Jahr 1946 zeigt keine üppige Auswahl exotischer, edler Blumen, wie man sie auf barocken Stillleben finden kann, sondern die einfachen Zweige und Beeren der Eberesche. Drapiert in einem schlichten irdenen Krug auf einem rot-weiß karierten Tischtuch für den Alltagsgebrauch.

Die Gegenstände hatte die Künstlerin in ihrem nach Bombenschäden selbst renovierten Wohnatelier in der Münchner Leopoldstraße wohl schnell zur Hand. Und die Vogelbeeren fand die frisch verlobte Magda Simmet (sie heiratete erst im Jahr 1947) sicher leicht bei einem Spaziergang in der Umgebung. Denn die Vogelbeere gilt als anspruchslos und siedelt als eine der ersten Gewächse auf Brachflächen, die 1946, ein Jahr nach Kriegsende im arg zerstörten München noch das Alltagsbild der Stadt beherrschten.

Daraus zauberte die Malerin mit ihrem akademisch geschulten Blick für Komposition und mit hauchfeinen Wasserfarben ein farbenfrohes, atmosphärisch dichtes Stillleben aufs raue Papier. Kein repräsentatives Gemälde in Öl auf großer Leinwand – dies wäre allein aus Materialmangel nicht umsetzbar gewesen – sondern ein intimes Kunstwerk, das Farbe und Freude in den (Nachkriegs-) Alltag brachte.

In Zeiten großer Not entstanden, erscheint diese Arbeit heute wie ein Appell: Es muss nicht viel, weit und teuer sein. Gönne Dir Zeit, schaue genau, dann kannst Du große Schönheit selbst im Einfachsten und Nächsten entdecken.

Christiane von Nordenskjöld
Kustodin
Magda Bittner-Simmet Stiftung

Rundes Rot

© Sabine Jörg

Wenn kleine Kinder den Himmel zeichnen, dann selbstverständlich in blau. So erscheint er uns ja auch bei Sonnenschein. Die Wiese ist natürlich grün und Früchte zeigen in strahlendem Rot ihre Reife her. Wie wunderbar einfach der Farbwegweiser der Natur ist.

Rot! Klares, unvermischtes Rot, Signalrot. Komm und iss mich, ruft es. In der Tat werden die reifen roten Früchte gerne gezupft, gesammelt und verarbeitet. Die zahllosen runden Perlen versprechen – als Gesamtheit – wohlschmeckenden Genuss.

Doch bevor sie dieser prosaischen Bestimmung zugeführt werden, locken Farbe und Form zu anderem Tun: Dieses unglaublich eindeutige Rot, diese kugelige Vielfalt muss eingefangen, fotografiert werden und bewahrt bleiben für Betrachtungen und Ideen ganz anderer Art. Losgelöst von dem Strauch, an dem sie heranreiften, noch unbeeinträchtigt von dem hungrigen Tun des Menschen, geben die Früchte Rätsel auf, die man nicht so schnell löst - oder vielleicht auch einfach nur Anlass zum Staunen.

Sabine Jörg
www.sabine-joerg.de

Ohne Titel

© Anette Koch


2015, Öl auf Nessel, 50 cm x 1500 cm

Schmerzender Rücken und sonnenverbrannte Haut nach tagelanger Ernte von gelben Löwenzahndolden unter französischem Himmel. Der Cousin kocht Marmelade daraus.
Und dann, der Morgen, ich komme auf meinen Arbeitsplatz, die Wiese, und statt dem Goldgelb erwartet mich weißer Flaum. Die Plackerei ist zu Ende, ich lass mich fallen in die weißen Puschel voller Kindheitserinnerung.
Aus der Nähe, ich sehe die Strenge, fast mathematische Kugelkörper, vertikal aufgerichtete Geraden,
und ich schaue weiter, nehme die zarten, filigranen Schirme der Samen, das Blitzen des Lichtes, die feine, differenzierte Farbigkeit der Halme wahr, und ich darf mich freuen an dieser unvermuteten Schönheit.

Anette Koch
www.Anette-Koch.de

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NATUR UND WASSER

Das Thema Natur und Wasser steht im Mai im Vordergrund für die Auswahl der Bilder.

 

Alles Leben entsteht aus dem Wasser – so erzählen es die meisten Schöpfungsmythen der Welt, und auch unsere biblische Tradition. Die Luft, die wir zum Atmen brauchen, entstand erst, als sich die Pflanzen entwickelten. Im Schöpfungsbericht der Bibel schwebt Gottes Geist, hebr. „ruach“, ein weibliches Wort für die Leben ermöglichende Wirkkraft Gottes über der Urflut. Das Grün der Vegetation nennt die Äbtissin Hildegard von Bingen „Viriditas“. Damit ist die allem Leben innewohnende Lebenskraft Gottes gemeint, die sich genauso wie in den Pflanzen im menschlichen Körper und der Seele finden lässt und wachstumsfördernd auswirkt.

Blau und Grün dominieren die Werke der Künstlerinnen. Beide Farben tun den Augen und der Seele wohl, wie schon Hildegard in ihrer Heilkunde wusste und als Gegenmittel für angestrengte Augen empfahl.

Wir wünschen Ihnen beim Betrachten und Lesen Freude und Erfrischung für Augen, Geist und Seele.

 

Marion Mauer-Diesch

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Baumlandschaft an der Isar im Mai

Magda Bittner-Simmet, 1955, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

Ein Tag im Mai vor 65 Jahren an der Isar vor den Toren Münchens.

Durch das noch zarte Grün der Bäume glänzt die Sonne, lässt die Wipfel des Auenwaldes und die jungen Triebe der Wasserpflanzen hell erstrahlen. Alles blinkt wie ein frischer Morgen, reflektiert von der still ruhenden Wasseroberfläche. Es ist ein Augenblick voller Ruhe und Schönheit, gesehen mit den Augen der Münchner Malerin Magda Bittner-Simmet (1916-2008). Eine rasche Momentaufnahme, entstanden in der Natur. Man erkennt dies am schnellen Pinselduktus, dem trockenen Farbauftrag und der skizzenhaften Anlage der Komposition, durch die hier und da noch die ungrundierte Leinwand blitzt.

Zu ihrem so charakteristischen Malstil äußert sich die Magda Bittner-Simmet wie folgt: „Es geht mir nicht um ein Abmalen der Natur, sondern um ein Insichaufnehmen und geistiges Erfassen, um die Überhöhung der Natur zum Bildwerk in persönlicher Gestaltung. Hat man sich erst eingearbeitet und mit der Atmosphäre einer Landschaft vertraut gemacht, so gelingt die farbige Niederschrift auf Anhieb in der gewünschten Frische und Leuchtkraft, meist ohne jede vorherige Zeichnung oder Skizze.“*

Begeistert von der Pleinairmalerei – wie ihre großen Vorbilder die französischen Impressionisten – zog es die Künstlerin zum Arbeiten bereits in ihrer Studienzeit hinaus aus dem Atelier in die Natur. Skizzenblöcke, Klappstaffelei, reisetauglichen Farbkasten – im AtelierMuseum finden sich noch alle originalen Künstlerutensilien, wie sie für ihre Malausflüge genutzt wurden.

Für Sie gibt es all dies und noch viel mehr im Rahmen der aktuellen Ausstellung: "Aufblühen oder die Sprache der Blumen" sicher bald wieder im Künstlerhaus am Schwabinger Bach zu entdecken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Christiane von Nordenskjöld M.A.
Kustodin der Magda Bittner-Simmet Stiftung

*Magda Bittner-Simmet in Fest der Farbe Band II: „Aquarelle, Zeichnungen, Skizzen“, S. 11, Hirmer Verlag München, 1993

Es grünt so grün…

Sabine Jörg, Es grünt so grün, Farbphotographie, Fine Art Print,  incl. individueller Rahmung, Außenmaße ca. 43 x 53 cm

Wasser und Licht – ohne diese beiden gedeiht keine Pflanze.

Wasser und Licht sind Leben. Wenn Pflanzen, wie hier, für den Besuch naturfroher Menschen in einem Gewächshaus gehalten werden, strecken sie sich zum Licht. Begierig saugen sie Wasser auf und verdunsten es wieder. Das Wasser rinnt die Scheiben hinunter, es zeichnet Blätter und Blüten weich.

So scheinen die Pflanzen von außerhalb des Hauses betrachtet vom Wasser „getuscht“ zu sein.

Mir springen Situationen und Bilder ins Auge, die etwas Malerisches haben. In meinen Photographien dokumentiere ich die Poesie der Dinge. Ich stelle keine künstlichen bildlichen Situationen her. Ich nehme das Vorgefundene einfach nur wahr.

www.sabine-joerg.de

Ohne Titel

Anette Koch, o.T. (4.1.19), 2019, Öl auf Nessel, 100 x 70 cm

Die Idee zu diesem Bild habe ich im Garten meines Bruders gefunden, ein klitzekleiner Teich, der ein paar Seerosen, Schilf, Mücken und Kröten beheimatet: Ein Minibiotop, welches seinen eigenen kleinen Zyklus lebt.

Ein Bild, das ganz alltägliche Ambivalenzen zeigt und doch von Zauber spricht.

Es treffen Gegensätze aufeinander, das Lineare auf das Runde, das Helle auf das Dunkle, die spiegelnde Oberfläche auf die undurchdringliche Wassertiefe.

Und es gibt aber auch Verbindendes: die Halme selbst, die eben aus der Tiefe kommen und den Luftraum durchdringen, die Spiegelungen, die ein gleichendes Bild erzeugen, das Glitzern des Lichtes im Hintergrund, welches nach vorne kommt und sich in den kleinen gelben Spitzen der Halme wiederfindet.

Es ist darin die Vorstellung der Gleichzeitigkeit verborgen, es darf alles sein, es liegt an mir, worauf ich meinen Focus richte.

Anette Koch

Atelier: Türkenstr. 78, 80799 München
anette-koch(at)muenchen-mail.de

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LIEBLINGSBILDER

„Flourishing“ - Aufblühen, ist ein zentraler Begriff aus der positiven Psychologie. Sie setzt bei dem an, was Menschen gut tut und sie aufblühen lässt, auch wenn die Umstände nicht immer einfach sind. Z.B. eine Umgebung, in der ich entdecken kann, was ich brauche, um innerlich und äußerlich wachsen zu können. Was mich herausfinden und staunen lässt, was mein Frausein bereichert. Der Blick der Künstlerinnen geht neugierig über den Zaun hinaus, er entdeckt das Kleine, Alltägliche, freut sich an der Widerstandkraft der Blumen, den Gegensätzen, die jeweils ihr Gutes haben und schmunzeln lassen. Auch die Schönheit, die sich bei genauem Hinsehen im Vergehen und Abblühen noch deutlicher als in voller Blüte zeigt, ist festgehalten. Gieße und genieße ich auch das, was ich brauche um aufzublühen? Welche Weisheit lehrt mich die Natur, Gottes Schöpfung?

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Blick in Nachbars Garten, 1979, Öl auf Leinwand, 52x68 cm

Magda Bittner-Simmet (1916 - 2008)

Das Gemälde "Blick in Nachbars Garten" der Münchner Malerin Magda Bittner-Simmet gehörte wohl zu den von ihr am meisten geliebten Arbeiten. So fand ich es, als ich erstmals nach ihrem Tod im Auftrag des Nachlassverwalters ihr Wohnatelier betrat, prominent über dem Sofa hängend, einem gemütlichen Rückzugsort gleich gegenüber ihrer Staffelei.

© Magda-Bittner-Simmet-Stiftung

Es zeigt den Blick aus dem Garten der Künstlerin auf die Häuser der Nachbarschaft. Es ist Frühling. Bäume und Wiese strahlen in frischem Grün. Überall hat die Naturliebhaberin hier in Beeten und Trögen Blumeninseln geschaffen, mit Blüten Farbakzente gesetzt, die sie nun wieder mit dem Pinsel auf die Leinwand bannt.

Diese farbenfrohe Momentaufnahme entstand 1979. Seit 6 Jahren wohnt die Münchner Malerin nun hier in ihrem eigenen Haus in der Schwedenstraße. Sie fertigt dieses Gemälde in einer Zeit, in der sie sich in München höchster Anerkennung ihrer Künstlerschaft erfreute. Die Nachfrage nach ihren Werken war groß. Im selben Jahr erhielt sie u.a. zwei hochkarätige Aufträge. So schuf sie das Porträt des Landtagspräsident Rudolf Hanauer für die Galerie im Bayerischen Landtag und das des Ministerpräsidenten Dr. Hanns Seidel post mortem für die Bayerische Staatskanzlei.

Mit solch großen Aufgaben betraut, sucht sie wohl immer wieder den Rückzug aus der Öffentlichkeit und findet Entspannung in ihrem geliebten Garten direkt am Schwabinger Bach. So sehr begeistert sie dieses Motiv, dass sie es sogar als Postkarte editiert und über Jahrzehnte immer wieder aufgreift. Bislang sind vier Gemälde von Magda Bittner-Simmet mit dem Titel "Blick in Nachbars Garten" bekannt. Dieser Blick beschäftigte die Malerin unter immer neuen Gestaltungsansätzen und zu verschiedenen Jahreszeiten bis ins Jahr 1994. Als 78-Jährige schuf sie das letzte Bild dieser Art.

Christiane von Nordenskjöld M.A.
Kustodin der Magda Bittner-Simmet

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Behaust

Gedanken zu meiner Fotografie „Hochgebirgsspitzen“

In Töpfe gesteckt, ans Fenster gestellt, werden Pflanzen besprüht, gedüngt, liebevoll betrachtet. Warum eigentlich? Der Schönheit wegen natürlich, der Schönheit der Blüte wegen, die vielleicht farbenfroh strahlt und bald verwelkt.

Trotz widriger Bedingungen in der dunklen Hochgebirgsstube blüht die Geranie. Die mächtige, bisweilen unerbittliche, einschüchternde Natur bleibt draußen. Und die Menschen drinnen in der Hütte sind nicht allein. Denn Blumen gleichen Freunden. Dem „Trieb, überall zu Hause zu sein“ (Novalis), geben sie Nahrung und damit Hoffnung und Zuversicht.

Sabine Jörg            
www.sabine-joerg.de

© Sabine Jörg

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Allgemeine Gedanken zu

o.T., (8.7.2), 2002, Öl auf Nessel, 190 cm x 140 cm

In meinen Bildern von Vegetation oder Wasser möchte ich das schnell Gesehene und Erklärte mit Mitteln der Malerei festhalten und auch über den Zeitbedarf in der Tiefe ergründen, ich möchte scheinbar banale Motive "durchschauen" und damit deutlich sichtbar machen. Es geht nicht darum, dem Gesehenen eine neue Dimension hinzuzufügen, sondern dem Dahinter, dem Hintergründigen, dem nicht Offensichtlichen die Möglichkeit  geben, in Erscheinung zu treten, wahrgenommen zu werden. 

Die hier vorgestellte Arbeit „o.T., (8.7.2)“ gehört zu den frühesten, größten und auch geliebten Werken meiner Blütenserie. Es ist irgendwie ein Winterbild. Wenige Farben, Rot, Grün, Schwarz und Weiß, erwecken diesen Eindruck. Auch ist die Amaryllis eine klassische Weihnachtsblume. Aber erst jetzt, im Frühling, wenn die Blüte vergeht, wird in den Resten ihrer einstigen opulenten Schönheit das fein strukturierte Aderwerk ihrer Blüten wirklich erkennbar, und auch erst jetzt können die Fruchtknoten in Erscheinung treten. Das Wirkende und der dahinterstehende Sinn werden sichtbar.

Anette Koch
www.anette-koch.de

© Anette Koch

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TRIALOG

Blumen am Kreuz, als Schmuck, als Zeichen der Verehrung und Liebe für Jesus, der das Leben so vieler Menschen zum Blühen brachte. Der Hoffnung säte, und in Gleichnissen von der Wirklichkeit Gottes im Wachsen der Saat und der unendlichen Fülle sprach. Die Blumen am Kreuz verkörpern deshalb Trost und Hoffnung auf die  Leiden und Tod überwindende Kraft seiner Botschaft der Auferstehung – auch im Leben hier und jetzt. Die Nacktheit und Körperlichkeit des Gekreuzigten hat die Mystikerinnen des Mittelalters zu einer Liebesmystik angeregt, voller Bilder, die die lustvolle und glühende Vereinigung der liebenden Seele mit Gott in erotischen Bildern beschreibt.

Bild von Magda Bittner Simmet „Blumenstillleben mit Gekreuzigtem“

© mbs-Stiftung

Das Bild "Blumenstillleben mit Gekreuzigtem" von Magda Bittner-Simmet datiert aus dem Jahr 1948. Es handelt sich um ein Aquarell auf Papier in der Größe 59 x 47,6 cm. Das Blatt stammt aus einer Serie von Aquarellen mit religiös, spirituellem Hintergrund. Eine weitere Arbeit "Blumenstillleben mit zwei Vasen und Gebetbuch" befindet sich ebenfalls im Besitz der Magda Bittner-Simmet Stiftung.

Mag sein, dass die Auseinandersetzung mit diesen Motiven für die junge Witwe Trost gespendet und Heilung gebracht hat. Denn ihr geliebter Mann war im Vorjahr nach nur 3-monatiger Ehe tragisch verstorben. Nachweislich hat die Künstlerin das Aquarellieren vor allen anderen Maltechniken besonders geliebt. "Mir war das Aquarell während meiner Studienzeit und auch später immer ein freudebringender Begleiter. Es war für mich jedesmal eine wunderbare Erneuerung und entsprach meinem Temperament, so rasch zu einem sichtbaren Ergebnis zu kommen."*, bekennt die Malerin in einem Beitrag zu ihrem Werkkatalog "Fest der Farbe".

Aber diese Technik hat auch ihre Tücken und ihre Beherrschung verrät die künstlerische Meisterschaft. So rät die Malerin allen Aquarellliebhabern: "… mit dieser schwimmenden Technik unterziehen sie sich der schwierigen Aufgabe, spontan und mit höchster Konzentration eine schnelle Aussage, gewissermaßen ein Stenogramm treffen zu müssen. Eine Veränderung der Komposition ist eigentlich nicht möglich."*

Kunsthistorisch lässt sich dies Stillleben der Kategorie Andachtsbild zuordnen. Gemäß dem großen Kunsthistoriker Erwin Panofski unterstützt ein Andachtsbild „… die Tendenz, dem betrachtenden Einzelbewusstsein die Möglichkeit zu einer kontemplativen Versenkung in den betrachteten Inhalt zu geben, d. h. das Subjekt mit dem Objekt seelisch gleichsam verschmelzen zu lassen.“**

Ganz gleich, ob man "Blumenstillleben mit Gekreuzigtem" nun unter kunsthistorischen Aspekten betrachtet, als künstlerische Herausforderung oder als Sinnbild für Freude und Erbauung,- die Beschäftigung mit Kunst bietet jedem, ob WissenschaftlerIn, KünstlerIn oder KunstbetrachterIn ein weites Feld für Wachstum und Erfüllung - für sich allein oder im Austausch mit anderen. 

Christiane von Nordenskjöld M.A.
Kustodin der Magda Bittner-Simmet Stiftung

 

* Fest der Farbe Bd. II, S. 11ff

** Erwin Panofsky: Imago Pietatis. Ein Beitrag zur Geschichte des ‚Schmerzensmannes’ und der ‚Maria Mediatrix’, in: Festschrift für Max J. Friedländer zum 60. Geburtstag, Leipzig 1927, S. 261-308, hier S. 264.

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„Blumentrost“

© Sabine Jörg

Seit ich vor Jahren nach Bayern gezogen bin, habe ich zahlreiche Kruzifixe fotografiert. Sie begegnen einem an Kirchenmauern, Wegrändern, auf Berggipfeln, in bäuerlichen Anwesen, oft lebensgroß. Was fasziniert mich an diesen Zeichen hiesiger Frömmigkeit? Schwer zu sagen. Die Plastizität, die Schönheit der Körper, die scheinbare Lebendigkeit und Unversehrtheit im Anbetracht des Todes fällt ins Auge.

Die Frage, warum der Gekreuzigte - und nicht etwa der Neugeborene oder der Auferstandene -  meist nackt dargestellt, Sinnbild für den christlichen Glauben geworden ist, bewegt mich bis heute. Neulich erst musste ich einer Dreijährigen erklären, weshalb da „ein Mann hängt“, „Er friert doch!“, sagte sie und auch „Was hat er verbrochen?“ Es ist gar nicht so leicht, auf diese Kinderfragen glaubhafte Antworten zu geben, die den Kern der christlichen Botschaft treffen.

Durch die Fotografie nähere ich mich einem Zugang zum Glauben, wie er hier bisweilen stolz und selbstgewiss präsentiert wird. Blumen auch noch zwischen den Zehen?  Erstaunen und Befremden halten sich die Waage. Die Überlegungen gehen weiter.

Sabine Jörg

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Kleine Gedanken zu

© Anette Koch

o.T., (7.9.16), 2016, Öl auf Nessel, 25 cm x 25 cm

Die fotographische Vorlagen für dieses Bild stammt aus dem Spätfrühling 2016, ich war auf der Suche nach mich ansprechenden Motiven für meine Blütenserie und fand:

das Versprechen von Fülle und Pracht, das Zusammenspiel von massigem Körper und schwingender Linie, Pralles und gleichzeitig Zartes, wehrhaft Borstiges und zerbrechliche Schönheit, im Aufschwellen erotische Anmutung, pure Emotion und Ästhetik. Fast zuviel. Und darum nur ein kleines Bild, 25 x 25 cm, das ist genug. Oder?

Anette Koch

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