Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

MARIENZEIT - MAIENZEIT

Maiandacht daheim

Angeblich bezeichnen die meisten Menschen in unseren Breiten den Mai als ihren Lieblingsmonat. Verständlich, denn selbst nach kalten Wintern grünt und blüht es im Mai endlich wieder. Die Sonne hat schon enorme Kraft und in der Natur regt sich überall junges Leben. Schon immer haben die Menschen in dieser so froh machenden Zeit auf den zartgrünen Wiesen und unter frisch erblühten Bäumen besondere Feste gefeiert – und  in den Kirchen besondere Gottesdienste. Bis ins Mittelalter lässt sich die Feier der Maiandachten zurückverfolgen, in den Anfängen ein Fest anlässlich der Kreuzauffindung durch die Heilige Helena, das früher am 3. Mai begangen wurde. Doch immer mehr rückte die Madonna ins Zentrum des Geschehens, denn auf diese Weise konnte altes Brauchtum aus  vorchristlicher Zeit, als Fruchtbarkeitsgöttinnen im Frühling kultisch verehrt wurden, mit christlicher Deutung versehen werden. ‚Blumige‘ Metaphern in der Gebetssprache - Rose ohne Dornen, reine Lilie, edler Rosengarten… – und eine marianische Deutung der Symbolik heimischer Kräuter, Blumen und Sträucher  erleichterten den Fortgang der Entwicklung. In den Kirchen wurden im Mai Marienaltäre prächtig geschmückt, manchmal sogar der Hochaltar zum Marienaltar dekoriert. So rückte Maria auch optisch immer mehr ins Zentrum. Die Triebkraft für diese Entwicklung war neben anderen Gründen sicher auch die geheime Sehnsucht der Menschen, mit der weiblichen Seite Gottes in Kontakt zu kommen, die bei Vater, Sohn und Geist so offensichtlich fehlt. Dafür ist Maria, Schwester der Menschen, zwar eigentlich die Falsche, doch als einzige Hohe Frau im Himmel verehrungswürdig und mütterlich zugewandt.

Geleitet wurden die Andachten schon im frühen 20. Jahrhundert auch von männlichen und weiblichen Laien, z.B. von Dorflehrer*innen und Kirchenmusiker*innen. Doch auch in den Wohnungen bekam Maria im Mai einen Ort der Verehrung. In den Abendstunden versammelten sich früher auf großen Höfen Familie und Gesinde vor der brennenden Marienkerze zum Beten und Singen. Heute noch stellen auf dem Land viele Familien eine blumengeschmückte Marienstatue und eine Marienkerze in den „Herrgottswinkel“, auf eine Truhe oder eine Kommode.

Wenn heuer Corona das Feiern von Gottesdiensten und Andachten so schwierig macht, liegt es nahe, diesen Brauch verstärkt aufleben zu lassen. Gestalten Sie doch Ihre persönliche Marienkerze und richten Sie unserer himmlischen Freundin einen Platz in Ihrer Wohnung! Als Anregung: Ein beliebtes Motiv ist, den Namen „Maria“ wie hier abgebildet darzustellen.

Sie werden merken, wie dieses sichtbare Symbol das Herz froh macht und zum Innehalten einlädt: im Schein der Kerze ein Marienlied summen, ein Stoßgebet sprechen, sich begleitet und umsorgt wissen, das tut gut und erfordert keinen großen Aufwand.

Frohe Grüße
Irmi Huber

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