Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Hl. Notburga von Eben

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Erste Gewerkschaftsfrau und "Tödin" aus matriarchaler Zeit?

Ihre Lebensdaten:

Geboren um 1265 in Rattenberg, Tirol, gestorben am 14. September 1313 auf Schloss Rothenburg /Tirol.

Namensbedeutung Notburga:

althochdeutsch: Schützerin vor oder in der Not, Patronin der Dienstmägde und der Landbevölkerung.

Darstellung:

mit Sichel und Ährengarbe, oft auch mit Broten und Schlüsselbund.
Tätigkeit: als Dienstmagd zunächst auf Schloss Rottenburg, dann in Eben am Achensee bei einem Bauern.

Sie praktizierte vorbildlich die Nächstenliebe und versorgte die Armen mit Speiseresten. Sie sorgte für die Einhaltung des Feierabends, woran das Sichelwunder in ihrer Legende erinnert.
Zunächst tut sie ihren Dienst tüchtig und pflichtbewusst  in dem angesehenen, begüterten Haushalt. So erwirbt sie sich eine Vertrauensstellung. Damit verbundene Freiheiten nimmt sie sich heraus, wenn sie damit bestehende Ungerechtigkeit, Armut, Bedürftigkeit lindern kann; konkret gibt sie Menschen vom Überfluss ihrer Herrschaft ab. Als ihr das verboten wird von den nachfolgenden  Erben ihres Brotherrn, kündigt sie ihren Dienst auf und verdingt sich woanders bei einfachen Leuten. Aber auch hier steht sie zu ihren Grundsätzen: Als der Bauer die Arbeit über alles stellt und seine Leute ausbeuten will, setzt sie ein augenfälliges Zeichen für die notwendige „Sabbatruhe“, den Feierabend für alle. Die Sichel, ihr Arbeitsgerät von sich werfend, bleibt diese in der Luft hängen, bzw. an einem Sonnenstahl sozusagen als wundersame Bestätigung ihres Protestes. Notburga, nach heutigem Verständnis eine Art Gewerkschaftsvertreterin? Sie eckt an und widersteht, wenn gegen die Nächsten- und Gottesliebe verstoßen wird, nimmt dafür  Ärger und Nachteile in Kauf. Langfristig lohnt es sich jedoch: sie wird  wieder zurückgeholt und – hier ist sie eine realitätsnahe Frau – sie handelt zuvor gute Arbeitsbedingungen für sich und andere aus, schafft so den Rahmen für sozial verträgliches Tun, das auch Raum lässt für ihre religiöse Alltags-Praxis.
Ihr Verhalten wird bestimmt von ihrer Grundhaltung, von dem, was Wert und Priorität hat in ihrem Leben, Barmherzigkeit und Gottesliebe. Das ist wirksam und so ist sie beispielhaft auch für uns heutige Menschen mit ihrem Mut und ihrer Zivilcourage.
Der Blick auf eine ältere Schicht der Überlieferung zeigt noch etwas anderes: ihr Festtag im Erntemonat September und ihre Attribute Sichel und Korn stellen sie in die Tradition der alten Erd- und Vegetationsgöttinnen: das Aufhängen der Sichel an einem Sonnenstrahl in der Legende beschreibt die weiblich-göttliche Wirkweise als Herrin über die Elemente. Auch als Beschließerin verweist sie auf die Fähigkeit, die großen  Übergänge zu begleiten, den Ein- und Ausgang zu schließen und zu öffnen. So wurde sie zur Sterbebegleiterin. Als „Tödin“ dargestellt, in den Farben weiß-rot-schwarz steht sie in der Nachfolge der großen, zyklischen Tod-im-Leben-Göttin früherer Zeiten.*

* Literatur:

Otto Wimmer, Barbara Knoflach-Zingerle Kennzeichen und Attribute der Heiligen, Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2008.

Erni Kutter, Schwester Tod, Kösel-Velag, München 2000.

 

** Notburga, erste Gewerkschaftsfrau für ländliche Dienstboten und "Tödin" aus matriarchaler Zeit mit Sichel und Krug.

Glasfenster von Stockmann / Eberle (1935), in der Kirche Zu Unserer Lieben Frau zu Machtenstein / Oberbayern.


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