Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Ursula mit Pfeil, Schiff und Jungfrauen

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Ursula, deren Name soviel wie „kleine Bärin“ bedeutet, ist eine sehr vielschichtige Heilige und vor allem ein Vorbild für eigenständige, aufmüpfige Frauen! Ihre Verehrungsgeschichte ist alt.  Ihre  wichtigsten  Attribute sind das Schiff und der Pfeil (oder mehrere). Als starke Jungfrau mit amazonenhaften  Führungsqualitäten steht sie in der Tradition der drei heiligen Jungfrauen (drei Bethen).

Die Stadt Köln am Rhein ist die Stadt der hl. Ursula und war zudem eine Hochburg der Beginen und der Ursulaverehrung. Als volkstümliche Heilige wurde Ursula angerufen für eine gute Heirat und glückliche Ehe, bei Kinderkrankheiten und in Not und Gefahr.
Sie war Patronin der Universitäten  und Schulen, der Lehrerinnen und der Jugend. Die Ursulinen als Frauenorden haben sich nach ihr benannt.

Zur kulturgeschichtlichen Sicht des Ursulakultes: Es gibt die klassische Legende von einer christlichen Jungfrau im Spätmittelalter; Ursula wird durch die Legende zur Märtyrerin. Wie ein Roman beschrieben wurde ihr Leben in der „Legende Aurea“, allerdings zeigt die christianisierte Ausformung ihrer Geschichte wenig Logik und ergibt keinen klaren Sinn.
Deutlich erkennbar bleibt ihr Charakter der freien Jungfrau mit Führungsqualitäten.

Sinn der Legende: Bekehrung der hl. Jungfrau zum Christentum, aber Ursula bleibt eine amazonische freie Frau. Ihre Reise auf dem Meer mit 11000 Jungfrauen, mit denen sie „Kurzweil trieb drei Jahre lang“, klingt wie Spiele weiblicher Ritter, oder eines weiblichen Geheimbunds.
Tatsächlich gab es im Mittelalter Geheimbünde von Jungfrauen und Traditionen amazonischer Art. Nach einer Engelserscheinung von Ursula zog sie den Rhein hinab nach Basel, um die Reise nach Rom anzutreten und dort Papst und Klerus zu gewinnen, die sich ihr anschließen sollten.
Das 12. Jahrhundert war Kreuzfahrerzeit und ein reger Reliquienhandel blühte. Der Bedarf danach, Kirchen damit auszustatten und Wallfahrten zu begründen, war groß. Da kam das riesige Gräberfeld, das in Köln um diese Zeit entdeckt wurde, gerade recht. Es wurde als das Massengrab der 11000 Jungfrauen des Gefolges der hl. Ursula gedeutet. An der Handelsstrasse entstanden Klöster und Heiligtümer. Ursula und ihre Gefährtinnen, die frei umherzogen, verhielten sich wie Diana in den Wäldern, sie wie eine vorchristliche jungfräuliche Göttin. Die Beginen, freie religiöse Frauengemeinschaften lebten ebenfalls sehr frei und waren der Kirche und der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Sie sollten die Klausur verordnet bekommen, mit Ursula als Vorbild hatten sie aber ein anderes Ideal und die entsprechende  Lebenspraxis. Sie führten deren Namen als Titelbezeichnung für weibliche Autorität und Weisheit.
Die Legende verlegt Ursulas  Leben und Wirken ins  5. Jahrhundert, als Attila, der Hunnenkönig, ganz Europa mit Angst und Schrecken überzog und auch Ursula und ihre Jungfrauen bedrohte. Er führte Krieg und metzelte Ursulas Heer nieder. Sie schonte er, weil er sie zur Frau begehrte. Als sie ablehnte, tötete er sie mit einem Pfeil.
Die Volkstradition deutete den Pfeil ganz anders: ihre Zielgerichtetheit und geistige  Klarheit, ihre Führungskraft entspricht  der Eigenschaft der starken Jungfrau mythologischer Zeiten. Ursula ging  zuvor schon sehr zielstrebig und mit Verhandlungsgeschick vor (gegenüber Vater und Brautwerber) sie stellte Bedingungen, die  ältere Zahl der gewünschten Frauengemeinschaft  war fünfzig und scheint realistischer;  die ausgehandelte Freiheit entspricht der der Beginen zur damaligen Zeit.
Es gibt wunderbare Abbildungen von Ursula, die ihre Stärke und spirituelle Kraft als Jungfrau zum Ausdruck bringen. Sie kann heutigen Frauen Mut zur eigenen Lebensreise machen.*

*    Nach einem Vortrag und der Broschüre von Erni Kutter zum Thema „Die heilige Ursula und ihre 11000 Jungfrauen“.(Verfasserin von „Der Kult der drei Jungfrauen“, zu beziehen direkt bei ihr: Ganzenmüllerstr.19, 85354  Freising.)

 

** Ursula mit Schitt und Jungfrauen - frühchristliche Märtyrerin mit weiblichen Führungsqualitäten und Nachfolgerin der martriarchalen Götten als Seelenbegleiterin ans andere Ufer.

Ursula in der Dorfkirche von Pellheim bei Dachau (16. Jhd.)


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