Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Maria im Ährenkleid

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Mitten in den Erntemonat August fällt der „Große Frauentag“, das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Zu den Anrufungen dieses Tages gehört: “Maria, du Königin der Feldfrüchte …“
 Hier im Bild sehen wir eine mädchenhafte Maria im schwarzgoldenen Kleid, das über und über mit senkrecht stehenden Ähren bedeckt ist. Ihre Halskrause gleicht einem Ring von Sonnenstrahlen, der Heiligenschein einer Sonnenscheibe. Ein goldenes Band teilt und schmückt die Mitte des Gewandes der Ährenjungfrau. Die Hände gefaltet, schaut sie in Richtung des Buches der Bücher, das ihr ein Engel hinhält. Sie steht über den Stufen in einem sakralen Raum, im Hintergrund drei farbige Glasfenster, die wohl auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit oder auch auf dessen vorchristliche Bedeutung verweisen. Im rechten Seitenbogen befinden sich drei Engel – kniend oder schwebend? – die auf die Gestalt im Ährenkleid schauen.
Religionsgeschichtlich gedeutet und in der Kirchenkunst in Variationen abgebildet, steht Maria als „Jungfrau im Ährenkleid“ in der Tradition der Ernte- und Getreidegöttinnen früherer Zeiten: wie diese ist sie in der Volksfrömmigkeit zuständig für Wachstum und Fruchtbarkeit, d.h. auch für die Ernte. In der Nachfolge der kosmischen Jungfrau wird sie meist ohne Kind abgebildet (selten als Schwangere, wie am Bogenberg bei Straubing) und symbolisiert so die zyklische Kraft der Erneuerung allen Lebens. In Südtirol (Ehrenburg) wird sie als „Kornmutter“ verehrt, an einem Ort, an dem in römischer Zeit ein Ceresheiligtum stand. Ceres entspricht der griechischen Erdmutter und Getreidegöttin Demeter, die mit langen, goldenen Haaren, die an ein Getreidefeld erinnern, die dreigestaltige Göttin in allen Lebensphasen und Zyklen des Jahres verkörpert.
So wird verständlich, warum hier Maria im schwarzen Gewand, das hier für die fruchtbare Erde steht, mit vielen aufrecht wachsenden Ähren darauf abgebildet ist. Weiß und rot als Farbton für die beiden anderen Lebensphasen verkörpert der Engel, der ihr die Botschaft von ihrer Schwangerschaft mit dem göttlichen Kind übermittelt.

 

* Maria im Ährenkleid - fruchtbarer Boden für die Gottesgeburt, in der Nachfolge der früheren Ernte- und Fruchtbarkeitsgöttinnen wie Demeter und Ceres.

Ährenkleidmadonna, Bamberg um 1430, heute Bayerisches Nationalmuseum München.


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