Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Die tanzende Maria von Frauenrain

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Ein eher seltenes Bild von der Gottesmutter Maria: eine junge Frau im roten Kleid, die für sich alleine tanzt! Vielleicht nicht nur für sich – eher ganz bei sich und vor Gott, im Festkleid der Liebe, im leuchtenden Rot; nur etwas Blau im Äußeren des Umhangs. Goldgesäumt  ihr Gewand, golden auch die Krone auf ihrem dunklen, offenen Haar, eine junge Königin! Mit ausgebreiteten Armen und offenem Herzen bewegt sie sich im Strahlenkranz, die Füße barfuß und  mitten im Tanzschritt, der wie ein Hüpfschritt aussieht. Eine Maria in ausgelassener Lebensfreude!

Kleine Engel, nackte und blau gekleidete, umspielen sie, angesteckt von ihrem Tanz bewegen auch sie sich fröhlich, konzentriert - tänzerisch, die Arme balancierend Richtung Himmel und Erde.
Was den Künstler bewegt hat, Maria so darzustellen, lässt sich nicht mehr ausmachen: vielleicht kannte er ihre Kindheitsgeschichte aus dem apokryphen Jakobusevangelium, wo es von der 3 jährigen Maria im Tempel heißt: „Da begann sie auf ihren Füßen zu tanzen, und das ganze Haus Israel gewann sie lieb.“* Tanzend vor Gott in seinem Heiligtum, sich dabei ganz glücklich und  zuhause zu  fühlen, das ließe sich hier wie dort aus der Beschreibung bzw. Darstellung herauslesen.
Maria mit dem Lebensgefühl einer freien und selbst bestimmten Jungfrau: sie tanzt! Noch nicht heimgesucht von dem Engel mit seinem besonderen Auftrag für sie; noch nicht gebunden an das Kind, den Jesusknaben, der dann eigene, für sie schwer verständliche Wege gehen wird. Er wird als Zwölfjähriger, ohne sich bei ihr abzumelden, auch zum Tempel gehen und sich da zuhause fühlen, wenn er ernsthaft über die Heilige Schrift und Gott diskutieren wird. Und noch ist sie  weit entfernt von der Situation der Schmerzensmutter, die sie später unter dem Kreuz sein wird, dann mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. All das liegt noch vor ihr, aber jetzt ist die Zeit für bewegte Lebensfreude und für den Tanz!
So passt es gut, dass dieses Kirchlein auf der Anhöhe mitten in der oberbayerischen Landschaft heute immer wieder von jungen Paaren aufgesucht wird, um vor dieser tanzenden Maria in ihrer roten Kraft zu heiraten.

* Quelle: Die Apokryphen, Das Protevangelium des Jakobus, Pattloch Verlag 1990 (Weltbild Augsburg), S. 436.

 

** Die tanzende Maria von Frauenrain - heilige Jungfrau in ihrer roten Kraft.

Altar der Kirche "Maria Himmelfahrt", Frauenrain, Antdorf bei Weilheim/Oberbayern.


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