Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Sophia mit den 7 Krönchen - geheimnisvolle Frau Weisheit

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In einer dämmerigen Seitenkapelle des Münchner Liebfrauendoms findet sich in der Predella des Altars ein Sextett christlicher Heiliger, drei  Frauen und drei Männer.
Neben der heiligen Justina, einer frühchristlichen Märtyrerin mit ihren Attributen und der hl. Afra, Bistumspatronin von Augsburg, sehen wir eine Frauengestalt in grün und gold gekleidet und mit sieben Krönchen, die neben und über ihrem  Haupt angeordnet sind. Ein strahlenförmiges sitzt direkt auf ihrem Scheitelpunkt am Kopf wie gebündelte Feuerflammen. Die anderen Krönchen  sind dreiblättrig angeordnet, mit kostbaren Edelsteinen dazwischen. Ihr Name steht eindeutig darüber: SOPHIA.
Sie ist die „Frau Weisheit“, ausgestattet mit den kostbaren Gaben der heiligen Geistkraft, siebenfach gekrönt mit dem immergrünen Zweig in der Hand; dem Symbol des Sieges über den Tod.
Die siebenfachen goldfarbenen Zeichen in Verbindung mit ihrem Namen verweisen auf die sieben Gaben des Hl. Geistes, besonders auf die Gabe der Weisheit. Und sie sind die Attribute einer weiblichen Gestalt in den Lebensfarben Grün für die fruchtbare Erde und Gold für den göttlichen Urgrund. So stehen beide für die Integration der Erdkräfte mit den himmlischen Mächten.
Ihre rechte Hand ruht über der Herzmitte, die linke, nach unten weisend, hält den Palmzweig als Symbol für das ewige Leben.
Wir können nun der Deutung folgen von der christlichen Märtyrerin Sophia, die unter Diokletian (304 n. Chr.) den Martyrertod erlitten haben soll, oder der anderen Überlieferung von einer Mutter mit ihren drei Töchtern als frühchristliche Glaubenszeuginnen; deren Verehrung vor allem im Elsass nachweislich bekannt war. Im 8. Jhd. wurde deren Lebens– und Leidensgeschichte niedergeschrieben. Dabei schimmert im Bild dieser Matrone, die ihre drei Töchter Fides, Spes und Caritas (Glaube, Hoffnung und Liebe als die drei personifizierten göttlichen Tugenden) unter ihren Mantel nimmt, die christlich benamte Symbolik der alten matriarchalen Frauendreiheit durch. Es lässt sich aber auch das jüdisch-christliche Bild der göttlichen Weisheit in weiblicher Gestalt, wie es in der hebräischen Bibel vorkommt, entdecken. Die Anordnung der sieben Krönchen aber spricht in der Symbolik der  christlichen Ikonografie eine eindeutige Sprache!
Gottes Weisheit und  umfassende Geistkraft  als weiblich vorgestellte Lebenskraft, ist  in der Gestalt von SOPHIA sichtbar und spürbar.
In der jüdischen Kabbala wird von Sophia erzählt, sie habe die Weltenseele aus ihrem Lächeln geboren!

Lob der Weisheit
Göttliche Weisheit – wer kann sie ergründen?
Ihre Freude wirft sie an den Himmel
In einer Spur aus Licht
Und tanzt uns voraus den Tanz durch das All …
Weisheit durchzieht das All und
Wer sie ruft, dem antwortet sie gern…
Liebevoll hütet sie die Gesetze des Alls
Überraschungen liebt sie und schüttet sie
Reichlich aus über die, die ihr Herz für sie öffnen.
Sie liebt das Versteckspiel und wird doch
Gern gefunden in den tausend Verkleidungen
Die sie sich wählt ...
Ja, Weisheit ist Gottes Lächeln im nachhinein
Mit ihrem Herzen webt sie den roten Faden
Im Gewebe des Kosmos, den Fden, der alles
Durchzieht mit Liebe
Weisheit – All – Eine – Ein – Alle
Gepriesen seist du!*

Johanna Hofmann-Mörwald

*aus: Hannelore Morgenroth, Den roten Faden finden, Kösel-Verlag 1995, S.192.

 

** Sophia mit den 7 Krönchen - geheimnisvolle Frau Weisheit: frühchristliche Märtyrerin und weibliche Gestalt an der Seite Gottes am Anfang der Schöpfung.

Predellenbild des Ecce-Homo-Altars im Münchner Liebfrauendom, unbek. Maler, um 1605.


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