Maria von Magdala – biblischer Befund
Frauen im Gefolge Jesu (Lk 8, 1-3)
Und es geschah in der folgenden (Zeit), dass er selbst durchreiste Stadt und Dorf, verkündigend und (als Evangelium) verkündigend das Königtum Gottes, und die Zwölf mit ihm; und einige Frauen, die geheilt worden waren von bösen Geistern und Krankheiten, Maria, die Magdalenerin gerufene, von der sieben Dämonen herausgekommen waren, und Johannna, (die) Frau (des) Chuzas, eines Verwalters (des) Herodes, und Susanna und andere viele, welche ihnen dienten aus ihrem Besitz.
(Münchner Neues Testament)
…die ihm Handreichung taten von ihrer Habe.
(Luther-Bibel)
…unterstützten (…) mit dem, was sie besaßen.
(Alte Einheitsübersetzung)
Sie unterstützten (…) mit ihrem Vermögen.
(Neue Einheitsübersetzung von 2016)
…die ihnen nach ihrem Vermögen dienten.
(weitere Übersetzungsmöglichkeit)
… dienten ihnen im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung standen.
(Interpretation von Luise Schottroff, Sabine Bieberstein u.a.)
Das griechische Wort, das hinter der deutschen Übersetzung „Vermögen" steht, ta hyparchonta, ist auf das Verb hyparchein zurückzuführen. Dieses bedeutet: vorliegen, vorhanden sein, zur Verfügung stehen. Davon ausgehend bedeutet das Partizip ta hyparchonta: das, was jemandem zur Verfügung steht. Diese Frauen bringen also ihr Vermögen ein, das kann materieller Besitz sein. Aber auch das, was sie vermochten, die Talente, über die sie verfügten.
Laut Sabine Bieberstein, Professorin für biblische Exegese und Didaktik, dürfen wir davon ausgehen, dass Frauen wie Maria von Magdala ihre persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten in einer Weise einsetzten und zur Verfügung stellten, wodurch eine Lebensgrundlage für die gesamte Lebensgemeinschaft rund um Jesus gebildet wurde. Sie waren also weder eindeutig vermögende Gönnerinnen, noch arme Frauen, die ihre Habe zusammenkratzten, um sich bei Jesus und Gefährten einzukaufen, sondern sie brachten sich ein in die Gemeinschaft, so gut, wie es ihnen möglich war.
Magdala – Ortsname oder Beiname?
Magdala – Migdal (Nunajah) – Turm (der Fische)
Oder: Maria, genannt Magdalena, der Turm (diejenige, die wie ein Turm ist)
Wie: Simon, genannt Petrus, der Fels
Wahrscheinlich war sie Maria, die aus Magdala stammte. Doch in Lk 8 wird sie nicht als die aus Magdala vorgestellt; sie wird Magdalenerin genannt. War sie eine Frau wie ein Turm? Standfest? Herausragend? Übersicht gebend? Vielleicht passte dieser Beiname zu ihrer Stellung im engen Kreis um Jesus. Nur eine Überlegung, aber nicht völlig abwegig!
Frauen bei der Kreuzigung und am Ostermorgen
Maria Magdalena ist – neben Jesus natürlich - die Konstante, die in allen Evangelien zu finden ist, das zeigt der Textvergleich.
Auf Golgotha:
Mk: Vier Frauen, Maria Magdalena an erster Stelle genannt, beobachten die Kreuzigung;
zwei davon, eine ist MM, sind dabei beim Begräbnis.
Mt: Viele Frauen, drei namentlich genannt, Maria Magdalena an erster Stelle, beobachten die Kreuzigung;
zwei davon, eine ist Maria Magdalena, sind beim Begräbnis dabei.
Lk: Alle Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren, beobachten die Kreuzigung und begleiten das Begräbnis, d.h. Maria Magdalena muss anwesend sein.
Joh: Die Mutter, die Schwester der Mutter und Maria Magdalena (zuletzt genannt) sind unterm Kreuz; im nächsten Satz: der (namenlose) Jünger, den Jesus liebte;
Begräbnis durch Josef von Arimathäa u. Nikodemus.
Am Ostermorgen:
Mk: Drei Frauen finden das leere Grab, Maria Magdalena wird an erster Stelle genannt.
Mt: Zwei Frauen finden das leere Grab, Maria Magdalena wird an erster Stelle genannt.
Lk: Alle Frauen, Maria Magdalena wird als erste genannt, finden das leere Grab. Wörtliche Übersetzung: „Sie (die Weiber) sagten den Aposteln dieses (Botschaft vom leeren Grab) und es erschienen ihnen wie Geschwätz diese Worte und nicht glaubten sie ihnen.“
Joh: Maria Magdalena kommt allein, findet das leere Grab, berichtet Petrus und dem Jünger, der Jesus liebte; sie kommen, sehen, Petrus erhält Vortritt, obwohl er als Zweiter ankommt, sie glauben, gehen wieder.
Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen.
Sie erhält von ihm den Auftrag, den sie erfüllt:
Verkündigung an ἀδελφοί, also an die Brüder und Schwestern!
Zusammenstellung: Irmgard Huber, IV/2017, überarb. 2023 und 2025
Erzbischöfliches Ordinariat München, Fachbereich Frauenseelsorge
Kontakt: ihuber@eomuc.de
Zur Verwendung und Vervielfältigung zu Bildungszwecken freigegeben!
Maria Magdalena - die Konstante in den Berichten von der Kreuzigung bis zur Auferstehung
Nach der Gefangennahme am Ölberg ist Jesus allein mit denen, die ihn anklagen. Von den männlichen Jüngern wird nur noch Petrus genannt, der in der Nähe bleibt. doch der verleugnet ihn dreimal, als er mit ihm in Verbindung gebracht wird und sucht das Weite. Die Bibel berichtet jedoch von Frauen aus dem Kreis der Jünger und Jüngerinnen, die ausharren und aus der Ferne das schreckliche Geschehen beobachten. In den vier Evangelien werden unterschiedliche Namen genannt. Doch von einer Frau berichten alle Evangelisten. Sie bleibt bis zum Ende - und darüber hinaus: Maria, die Magdalenerin genannt wird. Das Markus-Evangelium erwähnt eine weitere Maria und eine Salome. Diese Frauen, heißt es, seien Jesus bereits in Galiläa nachgefolgt und gehen mit ihm bis nach Jerusalem. Lukas führt noch eine Johanna sowie eine Susanna an und sagt, dass diese wie der Zwölferkreis mit Jesus unterwegs sind.
Maria von Magdala wird in allen Evangelien im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu, seinem Begräbnis und der Auffindung des leeren Grabes erwähnt. Zwei Evangelisten führen Magdalena als Zeugin für die Erscheinung des Auferstandenen an. Bei Johannes ist sie die einzige Frau, die sich ans Grab begibt und dann auch zur Empfängerin der Botschaft wird, dass Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte, nicht mehr unter den Toten ist, sondern lebt.
Die Gegenüberstellung der vier Berichte (Quelle: Katholische Uni Bochum) ist hilfreich, um sich einen Überblick zu verschaffen: