Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Maria im Kreis heiliger Frauen

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Zum Jahresanfang wurde seit alters her das nach der Wintersonnwende wieder zunehmende Licht gefeiert: im christlichen Abendland wurde daraus das „Fest der Erscheinung des Herrn"; volkstümlich „Dreikönigstag". Verbunden damit ist ein reichhaltiges Brauchtum um die letzte der Rauhnächte, die Perchtennacht, die das Ende der alten jahreszeitlichen Kultzeit markiert. In der christlichen Tradition wird - im Matthäus-Evangelium in nur 12 Versen erzählt – vom Besuch der Magier aus dem Morgenland berichtet, die einem besonderen Stern gefolgt sind, um dem Christuskind zu huldigen. Weder die Anzahl der Weisen, noch ihr Königtum sind belegt, dies wurde lediglich aus der Zahl und Kostbarkeit der Geschenke geschlossen. Ebenso sind ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar eine spätere Zu-Tat. (Wir werden noch sehen, von wem sie ihre Anfangsbuchstaben entliehen haben können!)

In einer noch älteren, vorchristlichen Tradition gab es eine weibliche Variante dieser Geschichte: die große Mutter der matriarchal geprägten Zeiten ist die Mitwintergöttin (Perchta, Holla), und sie trägt die vielen Namen anderer Kulturkreise und deren Mythen. Ein alter Name für die Weih-Nacht ist „Nacht der Mütter". Die große Mutter bringt das Lichtkind (das neue Leben) zur Welt und es tritt strahlend in Erscheinung, sie präsentiert es der Welt. Dieses mythische Motiv ist noch zu erkennen in manchen Darstellungen von der „Anbetung der Weisen aus dem Morgenland": eine thronende, königliche Maria mit ihrem Lichtkind und den anbetenden Weisen, als Könige dieser Welt abgebildet, die zugleich die drei Lebensalter verkörpern, nun in der männlichen Ausgabe! Diese Spur verweist eindeutig auf matriarchale Wurzeln: die große dreigestaltige Göttin mit ihrem zyklischen Wandlungscharakter wurde häufig in den drei Lebensphasen der Frau gezeigt: als junges Mädchen, als Frau in ihrer roten, fruchtbaren Kraft und als die weise Alte, die den Übergang in die andere Welt kennt und große spirituelle Kraft verkörpert. Die den Wandlungsphasen entsprechenden Farben sind weiß, rot und schwarz. Dieses mythische Thema war und ist so elementar wichtig, dass es auch im christlichen Volksglauben weiterlebte: in den Gestalten heiliger Frauen wie Catharina, Margareta und Barbara, die in der Nachfolge der drei Bethen des alten Europa stehen und der großen dreigestaltigen Göttin früherer Zeiten. Mit ihren machtvollen Wandlungssymbolen Rad, Drachenschlange und Kelch verweisen sie auf sie und übernehmen die ihnen von der Volksfrömmigkeit zugeordneten Zuständigkeiten als Nothelferinnen für die Menschen. Sie begleiten sie in den jeweiligen Lebensphasen, gerade auch an den Übergängen zum Leben und über den Tod hinaus. Diese drei (und noch eine weitere) heilige Frau finden wir zusammen mit einer thronenden Maria und dem Lichtkind Jesus auf diesem besonderen „Königinnenaltar" in der Kirche von Schloss Guteneck /Bayern. Wir sehen hier drei der fünf Frauen als Gekrönte, ebenso den Jesusknaben, ein weiß gekleidetes Lichtkind. Es bewegt sich in Richtung der rotgrün gewandeten Jungfrau, Katharina mit dem Rad, die von ihm den goldenen Ring bekommt, Symbol ihrer mystischen Vermählung. Mit der anderen Hand greift er in das Blumenkörbchen der Dorothea. Rechts und links außen sind die beiden anderen der drei heiligen Madeln: Margareta mit dem Drachen und Barbara mit dem Kelch in der Hand. Die vierte der „virgines capitales", die heilige Dorothea, ist ebenfalls eine frühchristliche Märtyrerin mit einem Blumenkorb und Blumenkranz im Haar. Als Heilige der Lichtmesszeit (ihr Festtag ist der 6. Februar), enthält ihre Legende das Motiv der Hoffnung auf das Paradies mitten im Winter, auf immer blühende Vegetation und auf ewiges Leben.

Johanna Hofmann-Mörwald

 

* Maria im Kreis heiliger Frauen - Katharina, Barbara, Margareta und Dorothea - Mutter Gottes, die aus dem Dunkel der Zeit das Lichtkind Jesus zur Welt bringt und es allen vorstellt.

Kirche Maria Himmelfahrt in Guteneck, Bayern.


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