Frauenseelsorge

Erzdiözese München und Freising

Hl. Barbara

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Auf dem Bild aus dem Regensburger Dommuseum tritt sie als Halbfigur aus dem wolkigen Dunkel, gekleidet in blau und weiß-grau, den goldenen Kelch in ihrer Linken vor der Herzmitte haltend. Ihre Rechte umfasst den Turm der seitlich daneben aufragt. Ihr Blick geht nach innen.
Ihre Legende: Barbara soll im 3. Jahrhundert nach Christus gelebt haben, als Tochter eines reichen heidnischen Kaufmanns in Nikodemia. Ohne Wissen der Familie wird sie  Christin, verweigert die Ehe, weil sie Christus Treue gelobte. Der eigene Vater bringt sie vor Gericht; nachdem sie in seiner Abwesenheit  drei Fenster in den Turm einbauen ließ, in dem sie lebte, dies  als Zeichen ihres Glaubens an den dreifaltigen Gott. Ins Gefängnis, in das sie nach der Folter geworfen wurde, brachten  ihr Engel den Abendmahlskelch zur Stärkung. Der Turm ist das sehr Spezielle an ihrer Geschichte, und dass ihr Vater vom Blitz getroffen wurde, nachdem er sie mit dem Schwert selbst  umgebracht  hatte.

Was sind Hintergründe und Bedeutungen der Barbaralegende?
Von Lore Kufner wird sie in ihrem Buch “Getaufte Götter“ als Sonnenfrau bezeichnet, wozu sie die Namenswurzel im Keltischen veranlasste. Borm, Borbet:“ die liebe Warme“, die die Sonne verkörpert, war eine der drei Bethen aus vorchristlicher Zeit.  Und der Turm symbolisierte einen Rückzugsort und – durch seine Höhe –  die Verbindung zum Kosmischen, zwischen Erde und Himmel. Es gab wohl für Jungfrauen und Seherinnen Türme als Schutzräume und Orte der Selbstfindung und spirituellen Kraft. Barbara, deren Fest zu Beginn des Winters gefeiert wird, steht für diesen inneren Weg durch das Dunkel.
Der Kelch, als ihr älteres Symbol, erinnert an den mythischen Kessel der alten Mitwintergöttin, in den alles Leben zurückkehrt in die Tiefe  und  gewandelt wird zu neuem Leben. Barbara wurde aber auch als Trösterin und Begleiterin der Sterbenden angesehen, und war Patronin der gefährdeten Berufsgruppen „untertage“, der Bergleute.  Zudem ist die Schale, auch die Beckenschale ein urweibliches Symbol für die Mutterbrust, für das Weiblich-Nährende und Lebensspendende. Erni Kutter, Verfasserin von „Der Kult der drei Jungfrauen“ hält die Scheibe in der Schale der heiligen Barbara für ein Mondsymbol. In der christlichen Deutung wurden Kelch und Hostie daraus. Wie immer wir auf Barbara und ihre symbolmächtigen Abbildungen schauen: ihre Vielschichtigkeit deutet auf die verschiedenen Gesichter der alten Tod-im-Leben-Göttin hin. Jutta Ströter-Bender vergleicht den Kelch sogar mit dem heiligen Gral, dem paradiesischen Ziel der spirituellen Suche der Menschen.
Und Barbara steht auch  für die Lebenserneuerung, was der alte Brauch am Barbaratag zeigt, wonach Kirschzweige ins Wasser gestellt werden, die zur Wintersonnwende oder zu Weihnachten erblühen, als Zeichen des unbesiegbaren Lebens. Totes wird ganz augenscheinlich  lebendig. Die Hoffnung auf das unzerstörbare Leben wird so auch durch den Winter hindurch wach gehalten.
So steht im letzten Monat des Jahres eine starke  und kontemplative Heilige mit Wandlungssymbol, als Seelenbegleiterin für den großen Übergang des  Lebens und des Jahres.

 

* Barbara, frühchristliche Märtyrerin mit Kelch und Turm, Lichtheilige im Advent, die den Weg nach innen weist und eine der drei heiligen Madeln in der Nachfolge der drei Bethen, der vorchristlichen dreigestaltigen Göttin matriarchaler Zeit.

Gemälde aus dem Regensburger Dommuseum


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